Warnung vor dem Japankäfer

Japankäfer ist meldepflichtiger Quarantäneschädling

Der Käfer hat in der EU den Status eines meldepflichtigen prioritären Quarantäneschadorganismus. Sein Auftreten muss in Deutschland den Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer gemeldet werden. Die Länderbehörden ergreifen dann Ausrottungs- und Monitoringmaßnahmen, auf die sich die EU-Mitgliedsstaaten geeinigt haben. „Die Tatsache, dass der Japankäfer nun im Deutsch-Schweizerischen Grenzgebiet auf der Alpennordseite gesichtet wurde, versetzt die deutschen Pflanzengesundheits-Behörden in Alarmbereitschaft. Um ökonomischen und ökologischen Schäden vorzubeugen, soll unbedingt verhindert werden, dass sich der Käfer in Deutschland etabliert“, sagt Dr. Bernhard Carl Schäfer vom Julius Kühn-Institut (JKI).Er sieht ähnlich aus wie ein Mai- oder junikäfer, ist aber macimal 1,5cm lang und hat einige wesentliche Unterscheidungsmerkmale.
Weitere Informationen siehe Gartenpraxis Japankaefer im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet gesichtet

Wertvolle Lebensräume, Teil 3: Die Blumenwiesen

Ein typischer Blühstreifen, nicht am Feldrand, sondern an einer Straße in Wetzlar
Zu sehen sind Statizen, Hundskamille, Roter Lein, Bechermalven, Ringelblumen, Rutenhirse, Zinnien u,a.

Das obige Foto zeigt, was derzeit meistens unter „Blumenwiese“ verstanden wird. Tatsächlich ist es ein Streifen mit einjährigen Sommerblumen, die auf eine nackte Beetfläche gesät wurden. Wenn es sich um ungefüllte Blüten handelt, wie es für Insekten sinnvoll ist, hält die Blütenpracht nur wenige Monate. Bei vielen von ihnen handelt es sich um so genannte Ackerbegleitkräuter. Diese keimen im Herbst mit dem Wintergetreide, müssen aber vor der Getreidereife blühen und und Samen bilden.

Hier wurden Klatschmohn und Kornblumen auf eine Ackerfläche gesät. In wenigen Wochen ist alle Schönheit abgestorben.


Für eine Wiese sehr wesentlich sind dauerhafte Gräser und Kräuter. Die Arten hängen davon ab, wie feucht oder trocken, warm oder kalt und sonnig oder schattig die Wiese liegt. Auf den meisten gedüngten Wiesen kommen vor Gänseblümchen, Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, oft Wiesenkerbel, und Schafgarbe. Während die ersten vier im April-Juni blühen, kann die Schafgarbe bis in den November ihre weißen Blütenköpfe zeigen. Je magerer der Boden ist, desto mehr Lücken entstehen im Gras und umso mehr bunte Blütenpflanzen können sich in den Zwischenräumen ansiedeln. Eine Reihe von ihnen bildet mit den Gräsern eine Wurzelsymbiose (Mykorrhiza), d.h. bei ihnen geht es nicht ohne Gras.

Eine dauerhafte Blumenwiese kann man auf verschiedene Weisen anlegen:
1. Vorhandener Rasen: Von einer Fläche, um die man gut mit dem Rasenmäher herumfahren kann, werden Grassoden abgehoben (umgedreht auf einander gestapelt gibt das nach einigen Monaten gute Blumenerde). Hier hinein werden Starterstauden*1) gepflanzt. Bei Aussaat Fläche 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, die bis dahin aufgelaufenen Unkräuter ganz flach abschaben*2), erst dann säen

2. Beet als Blumenwiese anlegen: Nicht umgraben! Gute Erde abnehmen (für Gemüse, Prachtstauden), etwas Sand oder Lavagranulat leicht einharken. 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, aufgelaufene Unkräuter abschaben*2). Jetzt erst säen oder pflanzen.

Sollte die Fläche viele Wurzelunkräuter (Quecke, Ackerwinde, Giersch) enthalten, kann man einen anderen Platz wählen oder sie integrieren. Quecke fühlt sich allerdings auf Rohböden wohl. Hier ist der andere Platz vorzuziehen.

Geeignete Saatgutmischungen kauft man besser im Fachhandel. Ich kann hier die Firma Gewiehs empfehlen, bei der ich bereits seit 1979 Blumenzwiebeln kaufe. Gewiehs Blumenzwiebeln für Insekten. Angeboten werden Mischungen für verschiedene Standorte sowie Saatgut von ein- und Zweijährigen und Stauden. Online bestellen oder Katalog anfordern!
Beispiele für Samenmischungen von mehrjährigen Blumenwiesen:

Unterschieden wird nach dem Anteil an ein- und zweijährigen Pflanzen sowie Stauden, außerdem nach der gewünschten Höhe . Auf einem kleinen Rasenstück sehen Pflanzen bis maximal 60cm Höhe besser aus. Sie vertragen auch leichte Schattierung. Höhere Pflanzen, auch mit Sonnenblumen, besser bei großen Flächen in voller Sonne, damit sie nicht umkippen. Die einjährigen Pflanzen geben im ersten Jahr schon ein buntes Bild, verschwinden aber, wenn die Zweijährigen hinzu kommen (siehe Fotos unten, beide aus Krumbach) und die sich langsamer entwickelnden Stauden größer sind.

Gewöhnlicher Natternkopf
Schwarze Königskerze

Statt eine Samenmischung zu kaufen, kann man jetzt noch reife = trockene Blütenstände verschiedener Pflanzen vom Spaziergang mitbringen (am Sammelort kopfüber in eine Papiertüte stecken). Der Samen soll sehr dünn ausgesät werden, dazu mischt man ihn am besten mit reichlich Sand. Anschließend wird die Fläche wie beim Rasensäen gewalzt (oder mit Brettern and den Schuhen platt getreten). Aussat vor Regen, gießen nicht nötig.

Es gibt auch Blumenwiesen für halbschattige Plätze und solche für sehr verdichtete, schotterige Böden, z.B. auf -ehemaligen- Parkplatzen und Zufahrten. Davon später.

zu *1) Starterstauden: Dazu gehören Margeriten, Kissenprimeln, Schlüsselblumen, Moschusmalven, Schnittlauch, Blutstorchschnabel, Labkräuter, Wiesensalbei, Schafgarbe, Wiesenflockenblume, Glockenblumen, Aber auch Blumenzwiebeln und -knollen gehören zu den Stauden. Es fängt an mit Winterling, Schneeglöckchen über Krokusse, Schneeglanz, Anemonen, Narzissen, Wildtulpen, Traubenhyazinthen und natürlich alle Arten von Allium = Zierlauche. Die Starterstauden können sich gegenüber dem Gras erstmal besser durchsetzen als Samen, sie werden später aber ihre Samen auch verstreuen.

*2) abschaben statt hacken. Unkrautsamensind sehr überlebensfähig. Sie ruhen bis zu 30 Jahren und mehr im Boden. Kommen sie an die Oberfläche, so löst das Licht die Keimung aus. Wenn man gekeimte Unkräuter tief abhackt, befördert man erneute Samen an die Oberfläche.

Alle Fotos Eveline Renell

September – Der Herbst steht auf der Leiter

Am 1. September ist meteorologischer und am 22. September um 21.21 Uhr kalendarischer Herbstanfang. Das richtet sich nach der Zeit der Tag- und Nachtgleiche.
Zum Herbst gibt es ein schönes Gedicht von Peter Hacks (1928 – 2003, einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR, hat auch Märchen und Erzählungen für Kinder geschrieben). Unter heutigen klimatischen Bedingungen würde das Gedicht besser in den Oktober passen,

Der Herbst steht auf der Leiter
und malt die Blätter an,
ein lustiger Waldarbeiter,
ein froher Malersmann.

Er kleckst und pinselt fleißig
auf jedes Blattgewächs.
Und kommt ein frecher Zeisig,
schwupp, kriegt der auch ´nen Klecks.

Die Tanne spricht zum Herbste:
Das ist ja fürchterlich,
die anderen Bäume färbste,
was färbste nich mal mich?

Die Blätter flattern munter
und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende falln sie runter.

Früher war der September mein Lieblingsmonat. Warum? Er hatte das ganze Jahr in sich. Die Obstbäume im Garten waren noch keine fünf Jahre alt. aber es gab im Dorf ja die Obstbaumversteigerung. Dann fuhr die ganze Familie einschließlich der von Juni bis September bei uns weilenden Gäste mit dem Handwagen auf den Gänsberg, um vom ersteigerten Baum Zwetschgen zu ernten.

Reife Zwetschgen und Spinnennetze im Tau: Septembersymbole

Ich liebte diese Erntefahrten und auch den Duft, der in den nächsten Tagen vom Muskochen durchs Haus zog. Wenn ich mich Anfang der 60er Jahre aufs Fahrrad schwang, um zur Schule zu fahren, konnte es sein, dass die Pfützen eine kleine Eisschicht trugen. Der Atem war eine sichtbare Wolke. Fast regelmäßig gab es die ersten Nachtfröste, und dann hingen die gestern noch prächtig blühenden Dahlien grauschwarz und vermatscht auf dem Beet.

Erfrorene Dahlien
Landschaft im Nebel

Anfang der 70er war ich öfter in Weilburg. Wenn ich morgens aus dem Haus ging, hüllte Nebel die ganze Stadt ein, Sichtweite knappe 30m. Aber am Straßenrand standen Weißdornsträucher, die reichlich Früchte trugen. Die konnte ich als Grundlage für einen Blumenstrauß nutzen. Am Nachmittag, wenn ich mich mit meinem Freund zum Minigolfspielen in der Nähe des Bahnhofs traf, schien die Sonne am wolkenlosen Himmel, und es war eine Hitze wie (damals) im August. Es gab noch viel mehr Einzelhandelsgeschäfte, die Sämereien und Blumenzwiebeln anboten, außerdem die Zeitung „Der Garten als Jungborn“, die so richtig Appetit auf den nächsten Frühling machte. Und den konnte ich dort kaufen und im September schon pflanzen – da wo die abgestorbenen Dahlien standen.

Blumenzwiebelverkauf Fellingshausen September 2012

Fledermäuse lieben weiß?

Weiße Blüten leuchten im Dunkeln

Nein, das ist natürlich so nicht richtig. Manche Fledermausarten können zwar ein wenig schwarz-weiß sehen, aber im Wesentlichen orientieren sie sich mit ihren Rufen und ihren Ohren im Ultraschallbereich. Da sie nachts jagen, muss es auch viele nachaktive Beutetiere geben. Dazu gehören in unseren Breiten verschiedene Schmetterlinge, vor allem Schwärmer, Eulenfalter und Spanner. Alle mögen süßes Obst oder Nektar. Der ist häufig mit Duft verbunden und lockt die Schmetterlinge an. Zugleich orientieren sie sich an weißen Blüten oder auch gelben und rosafarbenen, die für Insekten sichtbares UV-Licht ausstrahlen. Wenn Sie also etwas für die Fledermäuse tun möchten, dann genügt es meistens schon, einen Balkonkasten mit den Pflanzen zu bestücken, die von nachtaktiven Insekten besucht werden.

Pflanzen für Spätheimkehrer und Nachtschwärmer:
Nachtkerzen (Oenothera biennis) – Weiße und Rote Lichtnelke (Silene alba/dioica) – Nachtviole (Hesperis matronalis) – Stechapfel (Datura stramonium) – Wegwarte (Cichorium intybus) – Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis) – Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum) und Hundsrose (Rosa canina) – Weißer Phlox (Phlox paniculata), Boretsch (Borago officinalis).

Wer nur einen Platz am Fensterbrett, aber auch Spaß am Kochen hat, der lockt mit Küchenkräutern wie Majoran, Minze, Melisse, Boretsch, Salbei, Schnittlauch und Thymian im Blumenkasten die Falter für die Fledermäuse an.

Das mit den Spätheimkehrern ist wörtlich gemeint. Falls Sie immer erst spät von der Arbeit kommen, sollten Sie die oben genannten Pflanzen im Garten ansiedeln. Dann haben Sie selber auch nach 22.00 Uhr noch Freude an Ihrem Garten – mit hellen Farben und viel Duft.

Fotos Eveline Renell (außer Waldgeißblatt)

Der August – Ährenmonat, Ernting

Für mich ist der August auch der Monat des Phloxes.

Die blauen Phloxe sind morgens fast blau, im Laufe des Tages verfärben sie zu lila.
Dieser Vorgang wiederholt sich täglich. Kirmesländler ist eine alte Förster-Sorte. Die Phloxe der „Sweet-Summer-Edition“ bilden an den unteren Stielen keine braunen Blätter mehr (Bezug https://www.stauden-stade.de/shop-auswahl.cfm . Der weiße Phlox, Sortenname unbekannt, wurde etwa zum gleichen Zeitpunkt wie eine Koreatanne gepflanzt. Er ist an diesem untypischen Phlox-Standort sehr beständig. Jeder Versuch, Teile davon zu verpflanzen, scheitert. Überhaupt sind die einzelnen Sorten kleine Diven. Was in einer Gegend gut wächst, kann in einer anderen vollkommen missglücken. Aber es gibt Hunderte von Sorten. Einzige Voraussetzung: Der Boden sollte „frisch“ und nährstoffreich sein. Phlox wächst gut im Halbschatten, bei viel Niederschlag sogar in Wiesen.

Da im August viele Feldfrüchte geerntet werden, lauten alte deutsche Namen Erntemonat, Ährenmonat, Sichelmonat oder Ernting

Hundstage hell und klar deuten auf ein gutes Jahr, werden Regen sie bereiten, kommen nicht die besten Zeiten.
Trübe Aussicht an den Hundstagen, trübe Aussicht das restliche Jahr.
Was die Hundstage gießen, muss die Traube büßen.
Hundstage heiß – Winter lange weiß.

Erklärung: Im Volksmund gelten die sogenannten Hundstage als die heißesten und sonnigsten Tage im Jahr. Sie dauern vom 23. Juli bis zum 23. August. Diese hochsommerliche Zeit ist nach dem Hundsstern Sirius benannt, der in diesem Zeitraum der Sonne am nächsten steht und mit ihr gleichzeitig aufgeht. Statistisch gesehen ist die heißeste Zeit im Jahr bereits um den 21. Juli herum.

Wie sieht das im Raum Gießen aus?

Diese Graphik über das Klima im Raum Gießen zeigt links die Temperatur, rechts die Regenmenge (mm) und unten die Monate. Es handelt sich um Durchschnittswerte

Das Klima in Gießen ist warm und gemäßigt. Gießen hat während des Jahres eine erhebliche Menge an Niederschlägen zu verzeichnen. Das gilt auch für den trockensten Monat. Die Temperatur liegt in Gießen im Jahresdurchschnitt bei 9.8 °C. Jährlich fallen etwa 742 mm Niederschlag.
Der niederschlagsärmste Monat ist mit 51 mm der Februar. Im Gegensatz dazu ist der Juli der niederschlagsreichste Monat des Jahres mit 72 mm Niederschlag. Biebertal weicht oft davon ab. Der Dünsberg hat einen sehr speziellen Einfluss darauf. Wie wäre es mit einer eigenen Wetterstation?

Quelle: https://de.climate-data.org/europa/deutschland/hessen/giessen-151/

Wertvolle Lebensräume – 2. Teil: Der Garten

Erdkröte (wikipedia)
Spannerraupe (wikipedia)

Im Artikel vom 1. Juli im Gießener Anzeiger werden die Tipps der Stadt Gießen zur Schaffung von Lebensräumen im Garten veröffentlicht. Im zweiten Teil möchte ich die Empfehlungen für Gärten kommentieren. Im Artikel geht man davon aus, dass alle Leute Wildtiere im Garten haben möchten. Ich stelle hier mal die Frage, ob das tatsächlich so ist. Wer es sich – noch – nicht vorstellen kann, dass Igel, Ringelnattern, Zauneidechsen, Erdkröten, und natürlich ganz viele Insektenarten mit ihm den Garten teilen, der kann hier mit dem Lesen aufhören.

Wer gerne Vögel im Garten hat und bisher glaubt, durch Füttern alleine könne er sie anziehen, der irrt. Alle Vögel sind auf zusagende Nistplätze angewiesen. Mit einem Nistkasten ist nur den wenigsten geholfen. Unsere Mönchsgrasmücken zum Beispiel nisten in 1m Höhe in einem nicht beschnittenen Gebüsch. Ganz viele Vögel sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Insekten aber leben in ganz unterschiedlichen Bereichen eines Gartens. Je vielseitiger der Garten, desto vielseitiger die Insektenwelt.

Weidenskulptur
Baum-Stelen
Altbau-Wohnungen


Lassen Sie einem alten Baum die abgestorbenen Äste. Siebenschläfer, Haselmäuse, Fledermäuse brauchen sie. Bei den Vögeln sind vor allem die Spechtartigen darauf angewiesen. Stapeln Sie heruntergefallene Äste zu einem Totholzhaufen. Legen Sie einen Komposthaufen an. Darin wimmelt es von Futter für die Vögel, und dieses „Futter“ ist gleichzeitig an der Zersetzung der Gartenabfälle beteiligt. An heißen Sommertagen sind auch Vögel durstig, also mehrere Katzensichere Tränken aufstellen – dann kommen auch Wildbienen, Schwebfliegen, Libellen zu Besuch. Pflanzen Sie im April ein paar Möhren, Petersilienwurzeln oder Pastinaken ins Blumenbeet. Das sieht schön aus und ist wie alle Doldenblütler ein Tummelplatz für Fliegen, Schwebfliegen, Käfer und manch einen Schmetterling. Das Foto unten zeigt den wildwachsenden Wiesen-Bärenklau. Bitte nicht verwechseln mit dem invasiven Riesen-Bärenklau oder Herkulesstaude. Der Wiesen-Bärenklau ist in unseren Garten eingewandert. Zu sehen sind viele Schwebfliegenarten, Fliegen und zwei Bockkäfer. Sie können hier Nektar tanken. Aus wikipedia: Diese Pflanzenart wird von der auf Doldenblütler spezialisierten Bärenklau-Sandbiene (Andrena rosae) als Pollenquelle genutzt.[2] Wichtige Bestäuber sind verschiedene Mücken, Fliegen, Hautflügler, Schmetterlinge, Fransenflügler und Käfer, z. B. der bunte Bockkäfer. Der Wiesen-Bärenklau ist die Raupen-Futterpflanze für die Schmetterlingsarten Silberpunkt-Höckereule, Weiderich-Blütenspanner, Bärenklau-Rauhaareule, Mondfleckiger Blütenspanner, Haarstrang-Blütenspanner, Brustwurz-Blütenspanner, Bärenklau-Blütenspanner und Purpurglanzeule.*)

Doldenblüte, hier der Wiesen-Bärenklau.

Denken sie bei der Neu- oder Umgestaltung Ihres Gartens daran, dass Sie auch selber etwas zum Naschen haben. Früh blühend! und tragend sind alle Arten von Beerensträuchern. Die Amseln ernten teilweise alle Roten Johannisbeeren ab, aber an die weißen, rosafarbenen, schwarzen oder sogar grünen gehen sie nicht. Richtig gepflanzt gibt es Nahrung für Mensch und Tier.

Champagnerfarbene Johannisbeere, Foto Manfred Hans


Diese Vielfalt ist über einige Spezialgärtnereien zu beziehen: .gartenrot.com/beerenstraeucher/; .manfredhans.de/Pflanzenvorbestellung/Johannis-Stachelbeeren-
.baumschule-horstmann.de/schwarze-johannisbeeren-59b.html
Überrascht bin ich über die Vielfalt an Beerenobst, die von der Baumschule Horstmann angeboten wird. allerdings lohnt Horstmann immer, wenn man auf der Suche nach speziellen Pflanzen ist.

Wer den Garten neu anlegt, sollte den „Hausbaum“ nicht vergessen. Falls das Gelände groß und breit ist, ist ein Walnussbaum ein toller Schattenspender – ab ca. 10. Standjahr. Er garantiert Kühle und Mückenfreiheit. Bitte Grenzabstände einhalten ($38 Hessisches Nachbarschaftsrecht, bei der Walnuss 4m). Bei kleinen Gärten würde ich eine Eberesche oder einen Wildapfel auswählen (Abstand 1,5-2m). Ist auch essbar, aber es fallen einem nur Mini-Äpfel auf den Kaffeetisch. Kleine Tiere ernten die ganze Frucht, und Sie müssen sich nicht über angeknabbertes Obst ärgern (In anderen Bundesländern können größere Abstände gelten).
Sträucher wie Holunder, Hartriegel, Faulbaum, Liguster oder Wilder Wein sind tolle Gewächse. Gibt es aber schöne helle Terrassen in der Nähe, ist mit ihnen der Ärger vorprogrammiert, denn manche Vögel setzen nach dem Verzehr der Früchte violetten, stark färbenden Kot ab. Eberesche, Weißdorn, Pfaffenhütchen oder Schneebeere färben nicht.

Und keine Blumenwiesen? Das gibt demnächst einen eigenen Artikel.

*) wikipedia.org Wiesen-Bärenklau
Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Eveline Renell


Wildkräuter – Was man in Fugen entdeckt

Feinstrahl – Erigeron (neuerdings Conyza) canadense ist mehr als Unkraut

Ein Gastbeitrag von Tim Mattern aus Biebertal am 24. 7. 21 im Biebertaler Bilderbogen macht auf die Hashtags #krautschau und #mehralsunkraut aufmerksam– sie führen zu Artikeln und Fotos im Internet; auch durch die sozialen Netzwerke geistern sie.
Das erste Foto zeigt das Kanadische Berufkraut. Es ist eine einjährige Verwandte vieler anderer Feinstrahlastern, auch Berufkräuter genannt. Obwohl in Europa nur 9 der etwa 400 Arten der Nordhalbkugel vorkommen. wurde die Pflanze in den Rang erhoben, gegen Verhexung, d. h. gegen das „Berufen“ zu schützen. Im 16. Jahrhundert wurden sogar Säuglinge gegen den Bösen Blick in Berufkraut-Tee gebadet. Diese und andere geglaubte Wirkungen waren jedoch „Fake News“. Der Botanische Garten Gütersloh hat eine große Sammlung von Feinstrahlastern; und auch ein Blick in die drei Gärtnereien Heuchelheims lohnt sich. Die Cultivare sind sehr schöne Gartenstauden, die mit 50-60cm Höhe und einer Blütezeit von Juni bis August den im Mai mit Aster alpinus beginnenden Asternreigen fortsetzen. Nach ihnen folgen die bekanntesten, die verschiedenen im Herbst blühenden Asternarten und -Sorten.
Erigeron canadense kann auch gut im Blumenbeet stehen. Bei nährstoffreichem Boden färben die Blüten rosa-lila. Wenn sie stören – also doch Unkraut- sind sie sehr leicht heraus zu reißen.

Kompasslattich – Lactuca serriola liebt besonders Brachflächen und kann sehr hoch werden

Der botanische Name Lactuca verweist auf die Verwandtschaft mit Kopfsalat (Lactuca sativa). Er führt ebenfalls klebrigen Milchsaft in Stielen und Blättern und ist eine von mehreren der Kopfsalat- Ahnen. Bevorzugte Standorte sind warme, offene Böden auf Baustellen, Bahnanlagen, Straßenrändern. Nehmen Sie einen Kompass mit zum Betrachten der Pflanze, denn dort, wo es keinen Schatten gibt, stehen die Blätter senkrecht und in Nord-Süd-Richtung. Das verringert die Verdunstung. Beim Giftlattich sind die Blätter rundlicher und stehen immer waagrecht. Da der Kompasslattich sehr lange Wurzeln bildet (bis zu 2m), sollten Sie ihn im neu anzulegenden Garten bis zur Blüte erstmal stehen lassen, denn er nimmt Ihnen die Arbeit des Bodenlockerns ab. Anschließend abschneiden und die Wurzeln im Boden lassen. Ganz junge Pflanzen können gegessen werden, weil sie noch nicht so bitter sind. Da er mit grünen Rosetten oft auch im Winter da ist, freut man sich über diese Zukost aus dem eigenen Garten.

Vogelknöterich – Polygonum aviculare – ist wie alle Knöteriche essbar
Die übliche Steinbreite von 8,5cm gibt Ihnen eine Größenvorstellung.

Der Vogelknöterich wird tatsächlich von Vögeln ganz gerne gefressen. Solche Dinge wurden ausprobiert, als man das Futter für Käfigvögel noch nicht kaufen konnte. Er zeigt ebenfalls verdichteten Boden an. Man kann ihn dort sogar bewusst als Trittgrün einsetzen. Ich finde ihn besonders schön, wenn er sich nach kalten Nächten purpurrot färbt. Früher wurde der Vogelknöterich auch als Heilpflanze genutzt.
Siehe dazu: http://heilpflanzenwissen.at/pflanzen/vogelknoeterich/

Der Juli

Herr Stange von der gleichnamigen Baumschule zeigt das Veredeln mit Augen im Juli/August

„Nach dem kanonischen Recht werden im Juli Rosenstöcke veredelt.“- „Die größte Sorge bereitet das Gießen und Sprengen.“ – Da zählt der Gärtner nach Kannen, und bei Betrachtung seiner Pflanzen sagt er „Wirt, noch eins.“ „Mit Hydrant und Schlauch lässt sich natürlich ausgiebiger sprengen.“ – „Besondere Freude aber bereitet ein Schlauch, der irgendwo in der Mitte einen Riss hat, wo er am wenigsten vermutet wird. Ihr steht dann inmitten der emporschießenden Strahlen wie eine Wassergottheit, zu Füßen eine zusammengerollte Schlange, ein überwältigender Anblick! Und seid ihr dann völlig durchnässt, so erklärt ihr zufrieden, nun habe der Garten genug, und ihr geht, um die Kleider zu wechseln. Der Garten aber sagt „uff“, saugt den Springbrunnen ohne zu zucken auf und ist trocken und durstig genau wie zuvor.“

Für den Monat Juli habe ich keine Sprichwörter gefunden, die mir gefallen. Was ich euch aber ans Herz lege, zum Beispiel für die Mittagspause im Liegestuhl, ist das Buch des tschechischen Autors Karel Capek: „Das Jahr des Gärtners“. Es erschien erstmals 1929, wird aber immer wieder neu aufgelegt, weil es so vergnüglich zu lesen ist. Im Klappentext meines Exemplars vom Aufbau-Verlag steht, dass Capek vor allem zwei Gewächse in seinem literarischen Garten hegt und pflegt, nämlich den Humor und die Ironie. Und dabei kann man ganz viel übers Gärtnern erfahren.

Wertvolle Lebensräume-Balkon und Terrasse

Stadt Gießen gibt Tipps für die Ansiedlung von Tieren im Garten

Kästen bepflanzt mit Fetter Henne, Minze und Kapuzinerkresse, statt Hortensie besser Phlox

So lautete ein Artikel im Gießener Anzeiger vom 1. Juli 2021. Was ich daran auszusetzen habe: Die Tipps sind sehr, sehr allgemein. Sie helfen jemandem, der nur einen Balkon hat nicht weiter. Selbst Besitzer eines großen Gartens müssten aus der Menge der genannten Pflanzen eine Auswahl treffen, aber nach welchen Kriterien? Daher will ich die Tipps ein wenig sortieren und fange an mit

Fensterbank, Balkone und Terrassen
Fensterbank? Am einfachsten und auch Hitze vertragend ist ein Balkonkasten, der mit einem Gemisch aus Split, Sand, Lehm und Kompost gefüllt und mit Hauswurz bepflanzt wird. Da gibt es so Hunderte tolle Sorten. Schauen Sie sich mal die Sammlung von Herrn Nobbmann in der Gärtnerei Rinn in Heuchelheim an.

Hauswurz schiebt die Blütenstiele

Es gibt nur einen Balkon? Dann ist es wichtig, das/die Pflanzgefäß/e so groß wie möglich zu wählen. Bei vorhandener Fläche sind Mörtelkübel preiswert und ermöglichen sogar einen Strauch oder Kleinbaum. 2-3 Abzugslöcher eine Handbreit über dem Boden anbringen, bis zu der Höhe groben Kies einfüllen, mit Tuch abdecken, Erde drauf. Dann entsteht ein Wasserreservoir, aber bei Dauerregen können Überschüsse auch abfließen. Ich würde mich wohl für die Mährische Eberesche `Edulis´, einen Zierapfel oder eine Zwergfelsenbirne entscheiden. Alle sind bei Vögeln beliebt und auch für Menschen essbar, dekorativ; und die Früchte machen keine Flecken. Zierapfel und Eberesche gibt es auch in Säulenform. Als Vogelversteck kann man eine Hainbuche pflanzen, die regelmäßig beschnitten wird. Die dadurch entstehenden Astquirle sind ein guter Halt für Vogelnester und verwehren u.U. der Hauskatze den Zugriff. An der Hauswand kann ein Nistkasten befestigt werden.

Die Felsenbirne bildet leckere kleine essbare Früchte, die lilafarbigen sind reif


Wenn Sie nur Platz für Balkonkästen haben, dann wählen Sie die größten, die Sie bekommen können, möglichst mit Wasserreservoir und in einer hellen Farbe. Empfehlenswert sind Breite und Höhe von 28/30cm, die Länge passen Sie dem Balkon und dem, was Sie tragen können an. Wählen Sie auf jeden Fall Kunststoff, kein Metall. Fassen Sie ein Auto in der Mittagshitze an, dann wissen sie warum. Man kann die Kästen auch an einer Wand auf ein Kellerregal stellen, wenn man einfache Bretter unterlegt.
Gekaufte Erde, die meistens viel Torf enthält, sollten sie mit Gartenerde, Sand, evtl. Schafwolle oder Kokosfasersubstrat mischen. Denn Torf, einmal ausgetrocknet, lässt sich nur mit kochendem Wasser wieder regenerieren.
Welche Pflanzen kommen in Frage? In den großen Kästen wachsen auch Gartenstauden sehr gut. Aber Sie wollen ja die Vielfalt der Wildstauden.

Jan-März: Krokusse, Primeln, kleine Tulpenarten, Christrose, Schneeheide, Traubenhyazinthen, Lungenkraut

April/Mai: Barbarakresse, Bergsteinkraut, Gundermann (hängend), Kriechender Günsel, Wiesensalbei, Rote Lichtnelke, Akelei, diverse Nelken, Gämswurz, Erdbeeren, Staudenlein

Juni/Juli: Schafgarbe in versch. Farben, Frauenmantel, Zwergrose z.B. Topolino, Schnittlauch, Sterndolde, Wiesen- und Alpenflockenblume, Großblättriger Fingerhut, Wiesenstorchschnabel, Salbei-Gamander, Moschusmalve, Wiesenmargerite/ Pfirsichblättrige und Knäuel-Glockenblume, Mutterkraut, Bartnelken, Kronenlichtnelke,

August /September: Schafgarbe, Bergaster, Goldhaaraster, Steinquendel,

Die Myrtenaster blüht bis in den Dezember hinein.
Die Schwarze Königskerze wird besonders von vielen kleinen Käfern besucht.

Oktober/Dezember: Myrtenaster, Goldhaaraster, Rudbeckien, Efeublättriges Alpenveilchen, Christrose, Ungefüllte Chrysanthemen, z.B. Vreneli, Oury, Julia. Brauner Storchschnabel ist wintergrün

Die Blütezeiten überlappen und variieren je nach Witterungsverlauf. Pflanzen für Feuchtgebiete wurden nicht genannt, ebenso wenig solche, die extrem groß werden. Auch auf Pflanzen, die sich nicht gut mit anderen vertragen, wurde hier soweit bekannt verzichtet. Einjährige kann man einzeln dazwischen säen/pflanzen. Manches Kraut fliegt an und bleibt (Die von Eichhörnchen gepflanzte Walnuss muss leider entfernt werden). Gemüse wie Möhren, Pastinake oder ausgetriebene Zwiebeln werden im April dazwischen gesteckt. Im Laufe des Jahres müssen die Pflanzen zurück geschnitten werden – aus Platzgründen. Die Spätsommer- und Herbstblüher können ihre Samenstände behalten. Im Dezember steckt man ein paar Koniferen dazwischen, und der Balkon ist schön für den Winter.

Fotos Eveline Renell; Fotos von Christrose, Brauner Storcheschnabel und Myrtenaster aus dem Online-Shop der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler:.gaertnerei-strickler.de