November

NOVEMBER von Heinrich Seidel (1842-1906)

Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdriesslich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ’ne wahre Pracht.*) unten folgt der Rest des Gedichtes

Heinrich Seidel hatte ein besonderes Hobby: Er pflegte von seinen Reisen reichlich Samen fremdartiger Gewächse mitzubringen, um sie in Berlin oder auch anderen Orten (zum Beispiel Zimbelkraut, ein Wegerichgewächs) wieder auszusetzen. Einige Straucharten haben den Ortswechsel gut überlebt und zählen heute zum natürlichen Bestand der Vegetation in Berlin. In seiner humorvollen Erzählung LINARIA CYMBALARIA hat er selbstironisch über „diese Sorte von sonderbaren Käuzen“ geschrieben, die „sogenannten Florafälscher oder Ansalber“, die die Botaniker irreführen. An letztere richtet er die Bitte:

„Wenn ihr diesem zierlichen Pflänzchen in und bei Berlin zufällig einmal in die hellen freundlichen Augen schaut – lasst es stehen! Ihr wisst es nun, es ist ja doch nur angesalbt. Und der, der seinen Samen streute, möchte gern eine kleine grüne Spur hinterlassen auf dieser Erde.“

– Heinrich Seidel: LINARIA CYMBALARIA: In: Heinrich Seidel: Zwischen City und Idyll. Berlinische Miniaturen[8]

Im November können noch Bäume und Sträucher gepflanzt werden. In Naturschutzkreisen wird oft gegen Florenverfälschung gewettert. Andererseits beginnen Förster , Arboreten*, Staudengärtner und Gartenplaner mit Pflanzen zu experimentieren, die mit Trockenheit besser zurecht kommen als viele einheimische Gewächse. In Biebertal gibt es außerhalb des Forstamtes den Freundeskreis Gailscher Park, der 2018 neue Bäume dieser Art pflanzte. Natur.biebertaler-bilderbogen.de/neue Bäume im Gailschen Park Das sind zum Beispiel einheimisch Feldahorn und Traubeneiche, weiter weg Ungarische Eiche oder von noch weiter her Robinie und Japanischer Schnurbaum. Welche Alternative haben wir? Es ist doch besser, einen „fremdländischen“ Baum zu pflanzen, als (aus Dogmatismus) auf den Untergang aller Gehölze zu warten. Das hatten wir übrigens in der Vergangenheit schon mal. Die Förster haben vor Jahrhunderten mit schnellwachsenden Fichtenmonokulturen aufgeforstet. Durch den Holzbedarf der Glas- und Eisenhütten waren die Mittelgebirgshänge kahl geschlagen, z.B. der Schwarzwald. Diesen Forstleuten ist zu verdanken, dass wir immer noch fast überall im Wald spazieren gehen und die Waldeskühle genießen können. </p>

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn‘ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelsthau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,
Einer dicken Thräne gleich.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch‘ unvernünft’ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So, dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!

Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel (* 25. Juni 1842 in Perlin; † 7. November 1906 in Groß-Lichterfelde) war ein deutscher Ingenieur und Schriftsteller.

*) Ein Arboretum ist eine Anpflanzung von Bäumen. Es gibt sie auch mit verschiedenen themen, z.B. Japanische Bäume, Immergrüne etc.

Alpenveilchen für den winterlichen Garten

Wir besuchten eine Cyclamen-Gärtnerei in Lingen/Ems

Renate Brinkers in einem von vier Cyclamen-Gewächshäusern
Pflanze und Co Produkte

Renate Brinkers hat in Lingen/Ems, wo sie wohnt, den Beruf Zierpflanzengärtnerin erlernt. Eine Gärtnerei nach altem Schrot und Korn, wo auch Gemüsejungpflanzen angezogen wurden und alles, was für das Blumengeschäft gebraucht wurde. Irgendwann entdeckte Renate blühende Herbstalpenveilchen für den Garten in drei Farben.: Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach einigem Gesuche und Einkäufen bei etlichen Staudengärtnereien beschloss sie: Ich mache mich mit Cyclamen selbständig. „Du bist total verrückt“. war der Kommentar des Freundeskreises. Aber zu allem, was aus dem Rahmen fällt, gehört eine Portion Verrücktheit, wenn es erfolgreich sein soll. Renates Unternehmen funktionierte, und inzwischen ist sie sehr bekannt bei allen Cyclamen-Süchtigen, die früher nach England fahren mussten, um Besonderheiten zu finden. Aber hören Sie, was Renate Brinkers selber erzählt:

Viele unterschiedliche Blattmuster: Pure Winterfreude

Die Herbstalpenveilchen = Cyclamen hederifolium beginnen im September, manche Sorten sogar schon im Juli/August mit der Blüte. Die Blütezeit reicht maximal bis in den November. Aber bereits im Oktober treiben die Blätter aus und bleiben bis April. Auch wenn unsere Winter immer schneeärmer werden, um wirklich grün zu sein, braucht es entsprechende Pflanzen. Die Efeublättrigen Alpenveilchen gehören unbedingt dazu. Weil die Blütezeit im Verhältnis zur Verweildauer der Blätter relativ kurz ist, begann Renate Brinkers mit der Sammlung von Blattformen, – Farben und -Mustern. Einen winzigen Teil davon zeigen die Fotos.

Normalerweise duftet Cyclamen hederifolium nicht. aber gleich beim Betreten des Gewächshauses bekam ich den typischen Duft in die Nase. den ich von Cyclamen purpurascens kenne: „Wenn Sie die Pflanze finden, dürfen Sie sie mitnehmen!“ und siehe da, hier ist sie in ihrem Blütenreichtum:

Die typische Farbe vom Efeublättrigen Alpenveilchen, aber ausnahmsweise mit Duft
(

Eine Katalogisierung nach Blattformen und Mustern gibt es zwar nicht, aber wunderschöne Aulesen auf dieser Grundlage. Jedenfalls ziehen alle oben abgebildeten jetzt in unseren Garten ein.

Ein früher Blattaustrieb im Laubkompost im Schaugarten von Pflanze&Co
Eine so dunkle Blüte – hatte ich bisher nicht
Herbstalpenveilchen mit Hosta kombinieren

Cyclamen im Garten kann man fast das ganze Jahr über haben. Allerdings sind nicht alle Arten wirklich winterhart. Man muss es einfach versuchen, in manchen Gärten gedeihen auch Cyclamen mirabilis oder Cyclamen repandum. Sicher winterhart sind Cyclamen coum, Cyclamen purpurascens und Cyclamen hederifolium. Man kann sie an der Knollenform und dem Wurzelansatz unterscheiden. Cyclamen purpurascens soll in früheren Jahrhunderten auch in Deutschland so verbreitet gewesen sein, dass man angeblich die Schweine mit den Knollen gefüttert hat. Hierbei handelt es sich aber wohl um ein ähnliches Märchen wie die berühmte „Spinne in der Yuccapalme“. Ein vor einigen Jahren unternommener Versuch eines englischen Cyclamen-Liebhabers zeigte: Die Schweine zerwühlen das Beet mit den Pflanzen, sie fressen aber nicht die Knollen. Ich habe auch mal wieder mein Giftpflanzenhandbuch von Roth, Daunderer und Kormann zu Rate gezogen. Beim Zimmeralpenveilchen (bzw. der Ausgangspflanze Cyclamen persicum) beschreibt er 8g Knolle als tödlich, bei Cyclamen purpurascens wird keine Zahl genannt. Der Saft verursacht Hautreizungen. Man soll es auch nicht essen, es steht in der Roten Liste.

C. persicum ist die Ausgangspflanze unserer Zimmeralpenveilchen – Foto: Nalagtus, veröffentlicht in wikipedia.org

Natürlich gibt es bei Frau Brinkers auch Vorfrühlingsalpenveilchen = Cyclamen coum. Sie haben aber selten so stark gezeichnete Blätter. Die Blüten sind kleiner und ebenfalls rundlich. Zwei Sorten konnte ich erwerben.

Cyclamen coum `Maurice Dryden´
Cyclamen coum `Silver Edge´

Cyclamen coum hat immer rundliche Laubblätter. Besonders gut gefällt mir die Sorte Silver Edge´. Sie stammt möglicherweise ab von der älteren Sorte `Christmas Tree´, die um das Silber noch einen recht breiten grünen Rand hat. Cyclamen coum sät sich auf unserem kalkhaltigen Boden sehr gut aus, Allerdings bedrängt sie dabei die Mutterpflanze, siedelt sich sogar auf ihr an. Frühes Pikieren ist also nötig. Eine wunderschöne sehr großflächige Frühlingspflanzung bewunderte ich den 1980er und 1990er Jahren im Rüsselsheimer Stadtpark – von den ersten Winterlingen, Schneeglöckchen, Märzenbechern, Krokussen, Narzissen… und dazwischen bunt gemischt immer wieder das kleine Alpenveilchen. Ich hoffe sehr, dass die Pflanzung noch existiert!

Cyclamen coum im eigenen Vorfrühlingsgarten

Wenn Sie jetzt Lust auf Gartenalpenveilchen bekommen haben, dann nichts wie ran an den Katalog und die Homepage https://www.pflanze-und-co.de/, der ich das letzte Foto entnahm:

Es ist eine typische kleine Staudengärtnerei, aber mit vielen Raritäten. (Foto Brinkers)

Falls Sie wie wir persönlich in die Gärtnerei fahren wollen, so ist sie hier zu finden:

Renate Brinkers
Pflanze und Co.
Wietmarscher Str. 8
49811 Lingen

Das Garmin-Navi zeigt die Nummer 8 nicht an. Falls Sie die Nr. 1 eingeben, müssen Sie – von der B70 kommend – noch 1 km weiter fahren. Kommen Sie dagegen von der B213, dann müssen Sie 1km zuvor auf der rechten Seite schon nach der Gärtnerei gucken.

Oktober kommt mit Hagebutten

Die bekanntesten Hagebutten hat die Hundsrose (Rosa canina)

„Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm.“
Die meisten Älteren können das Lied weiter singen. Der Text stammt von Hoffmann von Fallersleben aus seinen „Unpolitischen Liedern und Rätseln“.  Gemeint ist die Hagebutte.
Meine Tante machte wunderbare Hagebuttenmarmelade. Beim Versuch, es ihr gleichzutun, erlebte ich meinem ersten „Stierkampf“ als ich 15 war. Ein Vormittag des Sammelns dieser Wildrosenfrucht führte mich mit kleiner Schwester und deren Freundin auf eine Wiese mit vielen Sträuchern und vielen jungen Bullen. Auf einmal griffen sie an. Kinder schnell über den Zaun und ich…….. ich habe es ohne Verletzungen überlebt. Obwohl wir die Kerne nur in der Küche entfernten, fanden wir zwei Wochen lang welche in allen Räumen. Die Marmelade wurde gut, doch seitdem kaufe ich sie. Viele denken, die Hagebutte sei ein eigenständiger Strauch. Nicht nur die Wildrose trägt welche, sondern alle anderen Rosen auch.

Die Mairose (Rosa majalis) hat platte, borstige Früchte
Flaschenförmig sind die Hagebutten der Mandarinrose
(Rosa moyesii) abfotografiert von Phillips&Rix: Rosen

Die Bibernellrose hat sogar schwarze. Manche tragen Borsten. Die Züchter bestäuben die Rosenblüten mit einem Pinsel, dann bilden sich besonders viele Samen – aus denen junge Rosen wachsen, die manchmal bereits im folgenden Jahr blühen. Man kann Tee aus Samen und aus Schalen zubereiten. Die Samen haben wir uns früher gegenseitig in den Kragen gesteckt: ein schreckliches Juckpulver. Hagebuttenöl ist wunderbar für die Haut – und ziemlich teuer. Dabei lässt es sich leicht selber herstellen: Man nehme 250-300g Hagebutten, zerkleinere sie und trockne sie 2 Std. bei 40°C. Anschließend werden sie in einem großen Schraubglas mit 500ml Mandelöl übergossen und im warmen Zimmer aufgestellt.  Schon nach 1 Woche kann man alles durch ein Sieb gießen und das Öl in dunkle Flaschen füllen. Auch ein schönes Geschenk – das Sie noch mit Hagebuttensträußchen aufpeppen sollten. Die Hagebuttenstängel sind wunderschön in herbstlichen Blumengestecken oder als Biedermeierstrauß. Wer an Winterschmuck im Garten – und an natürliches Vogelfutter denkt- sollte Sorten pflanzen, die durch ihre Hagebutten etwas Farbe in die trüben Tage bringen. Und zum Schluss ein Regionaltipp und Trip: Besuchen Sie die Rosengärtnereien in Steinfurth im Oktober! Meine Lieblings-Rosengärtnerei ist Rosen Ruf: .Rosenschule

Unterwegs: Unbekannte Strauchrose, mit „Fünfstern“ – gegen Dämonen

Warnung vor dem Japankäfer

Japankäfer ist meldepflichtiger Quarantäneschädling

Der Käfer hat in der EU den Status eines meldepflichtigen prioritären Quarantäneschadorganismus. Sein Auftreten muss in Deutschland den Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer gemeldet werden. Die Länderbehörden ergreifen dann Ausrottungs- und Monitoringmaßnahmen, auf die sich die EU-Mitgliedsstaaten geeinigt haben. „Die Tatsache, dass der Japankäfer nun im Deutsch-Schweizerischen Grenzgebiet auf der Alpennordseite gesichtet wurde, versetzt die deutschen Pflanzengesundheits-Behörden in Alarmbereitschaft. Um ökonomischen und ökologischen Schäden vorzubeugen, soll unbedingt verhindert werden, dass sich der Käfer in Deutschland etabliert“, sagt Dr. Bernhard Carl Schäfer vom Julius Kühn-Institut (JKI).Er sieht ähnlich aus wie ein Mai- oder junikäfer, ist aber macimal 1,5cm lang und hat einige wesentliche Unterscheidungsmerkmale.
Weitere Informationen siehe Gartenpraxis Japankaefer im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet gesichtet

Wertvolle Lebensräume, Teil 3: Die Blumenwiesen

Ein typischer Blühstreifen, nicht am Feldrand, sondern an einer Straße in Wetzlar
Zu sehen sind Statizen, Hundskamille, Roter Lein, Bechermalven, Ringelblumen, Rutenhirse, Zinnien u,a.

Das obige Foto zeigt, was derzeit meistens unter „Blumenwiese“ verstanden wird. Tatsächlich ist es ein Streifen mit einjährigen Sommerblumen, die auf eine nackte Beetfläche gesät wurden. Wenn es sich um ungefüllte Blüten handelt, wie es für Insekten sinnvoll ist, hält die Blütenpracht nur wenige Monate. Bei vielen von ihnen handelt es sich um so genannte Ackerbegleitkräuter. Diese keimen im Herbst mit dem Wintergetreide, müssen aber vor der Getreidereife blühen und und Samen bilden.

Hier wurden Klatschmohn und Kornblumen auf eine Ackerfläche gesät. In wenigen Wochen ist alle Schönheit abgestorben.


Für eine Wiese sehr wesentlich sind dauerhafte Gräser und Kräuter. Die Arten hängen davon ab, wie feucht oder trocken, warm oder kalt und sonnig oder schattig die Wiese liegt. Auf den meisten gedüngten Wiesen kommen vor Gänseblümchen, Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, oft Wiesenkerbel, und Schafgarbe. Während die ersten vier im April-Juni blühen, kann die Schafgarbe bis in den November ihre weißen Blütenköpfe zeigen. Je magerer der Boden ist, desto mehr Lücken entstehen im Gras und umso mehr bunte Blütenpflanzen können sich in den Zwischenräumen ansiedeln. Eine Reihe von ihnen bildet mit den Gräsern eine Wurzelsymbiose (Mykorrhiza), d.h. bei ihnen geht es nicht ohne Gras.

Eine dauerhafte Blumenwiese kann man auf verschiedene Weisen anlegen:
1. Vorhandener Rasen: Von einer Fläche, um die man gut mit dem Rasenmäher herumfahren kann, werden Grassoden abgehoben (umgedreht auf einander gestapelt gibt das nach einigen Monaten gute Blumenerde). Hier hinein werden Starterstauden*1) gepflanzt. Bei Aussaat Fläche 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, die bis dahin aufgelaufenen Unkräuter ganz flach abschaben*2), erst dann säen

2. Beet als Blumenwiese anlegen: Nicht umgraben! Gute Erde abnehmen (für Gemüse, Prachtstauden), etwas Sand oder Lavagranulat leicht einharken. 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, aufgelaufene Unkräuter abschaben*2). Jetzt erst säen oder pflanzen.

Sollte die Fläche viele Wurzelunkräuter (Quecke, Ackerwinde, Giersch) enthalten, kann man einen anderen Platz wählen oder sie integrieren. Quecke fühlt sich allerdings auf Rohböden wohl. Hier ist der andere Platz vorzuziehen.

Geeignete Saatgutmischungen kauft man besser im Fachhandel. Ich kann hier die Firma Gewiehs empfehlen, bei der ich bereits seit 1979 Blumenzwiebeln kaufe. Gewiehs Blumenzwiebeln für Insekten. Angeboten werden Mischungen für verschiedene Standorte sowie Saatgut von ein- und Zweijährigen und Stauden. Online bestellen oder Katalog anfordern!
Beispiele für Samenmischungen von mehrjährigen Blumenwiesen:

Unterschieden wird nach dem Anteil an ein- und zweijährigen Pflanzen sowie Stauden, außerdem nach der gewünschten Höhe . Auf einem kleinen Rasenstück sehen Pflanzen bis maximal 60cm Höhe besser aus. Sie vertragen auch leichte Schattierung. Höhere Pflanzen, auch mit Sonnenblumen, besser bei großen Flächen in voller Sonne, damit sie nicht umkippen. Die einjährigen Pflanzen geben im ersten Jahr schon ein buntes Bild, verschwinden aber, wenn die Zweijährigen hinzu kommen (siehe Fotos unten, beide aus Krumbach) und die sich langsamer entwickelnden Stauden größer sind.

Gewöhnlicher Natternkopf
Schwarze Königskerze

Statt eine Samenmischung zu kaufen, kann man jetzt noch reife = trockene Blütenstände verschiedener Pflanzen vom Spaziergang mitbringen (am Sammelort kopfüber in eine Papiertüte stecken). Der Samen soll sehr dünn ausgesät werden, dazu mischt man ihn am besten mit reichlich Sand. Anschließend wird die Fläche wie beim Rasensäen gewalzt (oder mit Brettern and den Schuhen platt getreten). Aussat vor Regen, gießen nicht nötig.

Es gibt auch Blumenwiesen für halbschattige Plätze und solche für sehr verdichtete, schotterige Böden, z.B. auf -ehemaligen- Parkplatzen und Zufahrten. Davon später.

zu *1) Starterstauden: Dazu gehören Margeriten, Kissenprimeln, Schlüsselblumen, Moschusmalven, Schnittlauch, Blutstorchschnabel, Labkräuter, Wiesensalbei, Schafgarbe, Wiesenflockenblume, Glockenblumen, Aber auch Blumenzwiebeln und -knollen gehören zu den Stauden. Es fängt an mit Winterling, Schneeglöckchen über Krokusse, Schneeglanz, Anemonen, Narzissen, Wildtulpen, Traubenhyazinthen und natürlich alle Arten von Allium = Zierlauche. Die Starterstauden können sich gegenüber dem Gras erstmal besser durchsetzen als Samen, sie werden später aber ihre Samen auch verstreuen.

*2) abschaben statt hacken. Unkrautsamensind sehr überlebensfähig. Sie ruhen bis zu 30 Jahren und mehr im Boden. Kommen sie an die Oberfläche, so löst das Licht die Keimung aus. Wenn man gekeimte Unkräuter tief abhackt, befördert man erneute Samen an die Oberfläche.

Alle Fotos Eveline Renell

September – Der Herbst steht auf der Leiter

Am 1. September ist meteorologischer und am 22. September um 21.21 Uhr kalendarischer Herbstanfang. Das richtet sich nach der Zeit der Tag- und Nachtgleiche.
Zum Herbst gibt es ein schönes Gedicht von Peter Hacks (1928 – 2003, einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR, hat auch Märchen und Erzählungen für Kinder geschrieben). Unter heutigen klimatischen Bedingungen würde das Gedicht besser in den Oktober passen,

Der Herbst steht auf der Leiter
und malt die Blätter an,
ein lustiger Waldarbeiter,
ein froher Malersmann.

Er kleckst und pinselt fleißig
auf jedes Blattgewächs.
Und kommt ein frecher Zeisig,
schwupp, kriegt der auch ´nen Klecks.

Die Tanne spricht zum Herbste:
Das ist ja fürchterlich,
die anderen Bäume färbste,
was färbste nich mal mich?

Die Blätter flattern munter
und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende falln sie runter.

Früher war der September mein Lieblingsmonat. Warum? Er hatte das ganze Jahr in sich. Die Obstbäume im Garten waren noch keine fünf Jahre alt. aber es gab im Dorf ja die Obstbaumversteigerung. Dann fuhr die ganze Familie einschließlich der von Juni bis September bei uns weilenden Gäste mit dem Handwagen auf den Gänsberg, um vom ersteigerten Baum Zwetschgen zu ernten.

Reife Zwetschgen und Spinnennetze im Tau: Septembersymbole

Ich liebte diese Erntefahrten und auch den Duft, der in den nächsten Tagen vom Muskochen durchs Haus zog. Wenn ich mich Anfang der 60er Jahre aufs Fahrrad schwang, um zur Schule zu fahren, konnte es sein, dass die Pfützen eine kleine Eisschicht trugen. Der Atem war eine sichtbare Wolke. Fast regelmäßig gab es die ersten Nachtfröste, und dann hingen die gestern noch prächtig blühenden Dahlien grauschwarz und vermatscht auf dem Beet.

Erfrorene Dahlien
Landschaft im Nebel

Anfang der 70er war ich öfter in Weilburg. Wenn ich morgens aus dem Haus ging, hüllte Nebel die ganze Stadt ein, Sichtweite knappe 30m. Aber am Straßenrand standen Weißdornsträucher, die reichlich Früchte trugen. Die konnte ich als Grundlage für einen Blumenstrauß nutzen. Am Nachmittag, wenn ich mich mit meinem Freund zum Minigolfspielen in der Nähe des Bahnhofs traf, schien die Sonne am wolkenlosen Himmel, und es war eine Hitze wie (damals) im August. Es gab noch viel mehr Einzelhandelsgeschäfte, die Sämereien und Blumenzwiebeln anboten, außerdem die Zeitung „Der Garten als Jungborn“, die so richtig Appetit auf den nächsten Frühling machte. Und den konnte ich dort kaufen und im September schon pflanzen – da wo die abgestorbenen Dahlien standen.

Blumenzwiebelverkauf Fellingshausen September 2012

Fledermäuse lieben weiß?

Weiße Blüten leuchten im Dunkeln

Nein, das ist natürlich so nicht richtig. Manche Fledermausarten können zwar ein wenig schwarz-weiß sehen, aber im Wesentlichen orientieren sie sich mit ihren Rufen und ihren Ohren im Ultraschallbereich. Da sie nachts jagen, muss es auch viele nachaktive Beutetiere geben. Dazu gehören in unseren Breiten verschiedene Schmetterlinge, vor allem Schwärmer, Eulenfalter und Spanner. Alle mögen süßes Obst oder Nektar. Der ist häufig mit Duft verbunden und lockt die Schmetterlinge an. Zugleich orientieren sie sich an weißen Blüten oder auch gelben und rosafarbenen, die für Insekten sichtbares UV-Licht ausstrahlen. Wenn Sie also etwas für die Fledermäuse tun möchten, dann genügt es meistens schon, einen Balkonkasten mit den Pflanzen zu bestücken, die von nachtaktiven Insekten besucht werden.

Pflanzen für Spätheimkehrer und Nachtschwärmer:
Nachtkerzen (Oenothera biennis) – Weiße und Rote Lichtnelke (Silene alba/dioica) – Nachtviole (Hesperis matronalis) – Stechapfel (Datura stramonium) – Wegwarte (Cichorium intybus) – Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis) – Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum) und Hundsrose (Rosa canina) – Weißer Phlox (Phlox paniculata), Boretsch (Borago officinalis).

Wer nur einen Platz am Fensterbrett, aber auch Spaß am Kochen hat, der lockt mit Küchenkräutern wie Majoran, Minze, Melisse, Boretsch, Salbei, Schnittlauch und Thymian im Blumenkasten die Falter für die Fledermäuse an.

Das mit den Spätheimkehrern ist wörtlich gemeint. Falls Sie immer erst spät von der Arbeit kommen, sollten Sie die oben genannten Pflanzen im Garten ansiedeln. Dann haben Sie selber auch nach 22.00 Uhr noch Freude an Ihrem Garten – mit hellen Farben und viel Duft.

Fotos Eveline Renell (außer Waldgeißblatt)

Der August – Ährenmonat, Ernting

Für mich ist der August auch der Monat des Phloxes.

Die blauen Phloxe sind morgens fast blau, im Laufe des Tages verfärben sie zu lila.
Dieser Vorgang wiederholt sich täglich. Kirmesländler ist eine alte Förster-Sorte. Die Phloxe der „Sweet-Summer-Edition“ bilden an den unteren Stielen keine braunen Blätter mehr (Bezug https://www.stauden-stade.de/shop-auswahl.cfm . Der weiße Phlox, Sortenname unbekannt, wurde etwa zum gleichen Zeitpunkt wie eine Koreatanne gepflanzt. Er ist an diesem untypischen Phlox-Standort sehr beständig. Jeder Versuch, Teile davon zu verpflanzen, scheitert. Überhaupt sind die einzelnen Sorten kleine Diven. Was in einer Gegend gut wächst, kann in einer anderen vollkommen missglücken. Aber es gibt Hunderte von Sorten. Einzige Voraussetzung: Der Boden sollte „frisch“ und nährstoffreich sein. Phlox wächst gut im Halbschatten, bei viel Niederschlag sogar in Wiesen.

Da im August viele Feldfrüchte geerntet werden, lauten alte deutsche Namen Erntemonat, Ährenmonat, Sichelmonat oder Ernting

Hundstage hell und klar deuten auf ein gutes Jahr, werden Regen sie bereiten, kommen nicht die besten Zeiten.
Trübe Aussicht an den Hundstagen, trübe Aussicht das restliche Jahr.
Was die Hundstage gießen, muss die Traube büßen.
Hundstage heiß – Winter lange weiß.

Erklärung: Im Volksmund gelten die sogenannten Hundstage als die heißesten und sonnigsten Tage im Jahr. Sie dauern vom 23. Juli bis zum 23. August. Diese hochsommerliche Zeit ist nach dem Hundsstern Sirius benannt, der in diesem Zeitraum der Sonne am nächsten steht und mit ihr gleichzeitig aufgeht. Statistisch gesehen ist die heißeste Zeit im Jahr bereits um den 21. Juli herum.

Wie sieht das im Raum Gießen aus?

Diese Graphik über das Klima im Raum Gießen zeigt links die Temperatur, rechts die Regenmenge (mm) und unten die Monate. Es handelt sich um Durchschnittswerte

Das Klima in Gießen ist warm und gemäßigt. Gießen hat während des Jahres eine erhebliche Menge an Niederschlägen zu verzeichnen. Das gilt auch für den trockensten Monat. Die Temperatur liegt in Gießen im Jahresdurchschnitt bei 9.8 °C. Jährlich fallen etwa 742 mm Niederschlag.
Der niederschlagsärmste Monat ist mit 51 mm der Februar. Im Gegensatz dazu ist der Juli der niederschlagsreichste Monat des Jahres mit 72 mm Niederschlag. Biebertal weicht oft davon ab. Der Dünsberg hat einen sehr speziellen Einfluss darauf. Wie wäre es mit einer eigenen Wetterstation?

Quelle: https://de.climate-data.org/europa/deutschland/hessen/giessen-151/

Wertvolle Lebensräume – 2. Teil: Der Garten

Erdkröte (wikipedia)
Spannerraupe (wikipedia)

Im Artikel vom 1. Juli im Gießener Anzeiger werden die Tipps der Stadt Gießen zur Schaffung von Lebensräumen im Garten veröffentlicht. Im zweiten Teil möchte ich die Empfehlungen für Gärten kommentieren. Im Artikel geht man davon aus, dass alle Leute Wildtiere im Garten haben möchten. Ich stelle hier mal die Frage, ob das tatsächlich so ist. Wer es sich – noch – nicht vorstellen kann, dass Igel, Ringelnattern, Zauneidechsen, Erdkröten, und natürlich ganz viele Insektenarten mit ihm den Garten teilen, der kann hier mit dem Lesen aufhören.

Wer gerne Vögel im Garten hat und bisher glaubt, durch Füttern alleine könne er sie anziehen, der irrt. Alle Vögel sind auf zusagende Nistplätze angewiesen. Mit einem Nistkasten ist nur den wenigsten geholfen. Unsere Mönchsgrasmücken zum Beispiel nisten in 1m Höhe in einem nicht beschnittenen Gebüsch. Ganz viele Vögel sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Insekten aber leben in ganz unterschiedlichen Bereichen eines Gartens. Je vielseitiger der Garten, desto vielseitiger die Insektenwelt.

Weidenskulptur
Baum-Stelen
Altbau-Wohnungen


Lassen Sie einem alten Baum die abgestorbenen Äste. Siebenschläfer, Haselmäuse, Fledermäuse brauchen sie. Bei den Vögeln sind vor allem die Spechtartigen darauf angewiesen. Stapeln Sie heruntergefallene Äste zu einem Totholzhaufen. Legen Sie einen Komposthaufen an. Darin wimmelt es von Futter für die Vögel, und dieses „Futter“ ist gleichzeitig an der Zersetzung der Gartenabfälle beteiligt. An heißen Sommertagen sind auch Vögel durstig, also mehrere Katzensichere Tränken aufstellen – dann kommen auch Wildbienen, Schwebfliegen, Libellen zu Besuch. Pflanzen Sie im April ein paar Möhren, Petersilienwurzeln oder Pastinaken ins Blumenbeet. Das sieht schön aus und ist wie alle Doldenblütler ein Tummelplatz für Fliegen, Schwebfliegen, Käfer und manch einen Schmetterling. Das Foto unten zeigt den wildwachsenden Wiesen-Bärenklau. Bitte nicht verwechseln mit dem invasiven Riesen-Bärenklau oder Herkulesstaude. Der Wiesen-Bärenklau ist in unseren Garten eingewandert. Zu sehen sind viele Schwebfliegenarten, Fliegen und zwei Bockkäfer. Sie können hier Nektar tanken. Aus wikipedia: Diese Pflanzenart wird von der auf Doldenblütler spezialisierten Bärenklau-Sandbiene (Andrena rosae) als Pollenquelle genutzt.[2] Wichtige Bestäuber sind verschiedene Mücken, Fliegen, Hautflügler, Schmetterlinge, Fransenflügler und Käfer, z. B. der bunte Bockkäfer. Der Wiesen-Bärenklau ist die Raupen-Futterpflanze für die Schmetterlingsarten Silberpunkt-Höckereule, Weiderich-Blütenspanner, Bärenklau-Rauhaareule, Mondfleckiger Blütenspanner, Haarstrang-Blütenspanner, Brustwurz-Blütenspanner, Bärenklau-Blütenspanner und Purpurglanzeule.*)

Doldenblüte, hier der Wiesen-Bärenklau.

Denken sie bei der Neu- oder Umgestaltung Ihres Gartens daran, dass Sie auch selber etwas zum Naschen haben. Früh blühend! und tragend sind alle Arten von Beerensträuchern. Die Amseln ernten teilweise alle Roten Johannisbeeren ab, aber an die weißen, rosafarbenen, schwarzen oder sogar grünen gehen sie nicht. Richtig gepflanzt gibt es Nahrung für Mensch und Tier.

Champagnerfarbene Johannisbeere, Foto Manfred Hans


Diese Vielfalt ist über einige Spezialgärtnereien zu beziehen: .gartenrot.com/beerenstraeucher/; .manfredhans.de/Pflanzenvorbestellung/Johannis-Stachelbeeren-
.baumschule-horstmann.de/schwarze-johannisbeeren-59b.html
Überrascht bin ich über die Vielfalt an Beerenobst, die von der Baumschule Horstmann angeboten wird. allerdings lohnt Horstmann immer, wenn man auf der Suche nach speziellen Pflanzen ist.

Wer den Garten neu anlegt, sollte den „Hausbaum“ nicht vergessen. Falls das Gelände groß und breit ist, ist ein Walnussbaum ein toller Schattenspender – ab ca. 10. Standjahr. Er garantiert Kühle und Mückenfreiheit. Bitte Grenzabstände einhalten ($38 Hessisches Nachbarschaftsrecht, bei der Walnuss 4m). Bei kleinen Gärten würde ich eine Eberesche oder einen Wildapfel auswählen (Abstand 1,5-2m). Ist auch essbar, aber es fallen einem nur Mini-Äpfel auf den Kaffeetisch. Kleine Tiere ernten die ganze Frucht, und Sie müssen sich nicht über angeknabbertes Obst ärgern (In anderen Bundesländern können größere Abstände gelten).
Sträucher wie Holunder, Hartriegel, Faulbaum, Liguster oder Wilder Wein sind tolle Gewächse. Gibt es aber schöne helle Terrassen in der Nähe, ist mit ihnen der Ärger vorprogrammiert, denn manche Vögel setzen nach dem Verzehr der Früchte violetten, stark färbenden Kot ab. Eberesche, Weißdorn, Pfaffenhütchen oder Schneebeere färben nicht.

Und keine Blumenwiesen? Das gibt demnächst einen eigenen Artikel.

*) wikipedia.org Wiesen-Bärenklau
Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Eveline Renell