Beim Erhalt der Sortenvielfalt kann jeder mitmachen

Betrübt Sie auch das geringe Sortiment an Obst und Gemüse in den Supermärkten? Das können Sie persönlich ändern.

Sortiment kommt von Sorten. Bei Schokolade ist dieser Begriff schon lange vertraut. Ein paar Apfelsorten kann fast jeder nennen. Biebertaler, die offenen Sinnes über die heimischen Feldwege wanderten, können sich im Herbst an besonders vielen Apfel- und Birnensorten erfreuen. Oft ist es ein optischer Genuss, aber auch Nase und Mund kommen auf ihre Kosten. Die ursprünglichen Obstbaum-Pflanzungen gehen bereits auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, als auf fürstlichen Erlass überall Obstbäume gepflanzt werden mussten, um die Ernährungssituation der Bevölkerung zu verbessern.

Wie viele Gemüsesorten kennen Sie? Einige Salate, ein paar Kartoffelsorten, rote und gelbe Tomaten? Kennen Sie `Grüner Stern´, `Posthörnchen´, roten Spitzkohl `Vysocke´, `Spatzeneier´, `Goldball´ oder `Gärtners Wonne´? Wussten Sie, dass die Universität Gießen in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine eigene Sojabohnensorte hatte? Sojaanbau in Deutschland?  Ist möglich!
Etwa 90% aller Sorten, die man vor 100 Jahren im Anbau hatte, sind inzwischen vom Markt verschwunden.  Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur. Unter anderem trägt seit Jahrzehnten das wirtschaftliche Interesse weltweit agierender Saatgutunternehmen sehr zur Verringerung der Vielfalt bei. 

Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN e.V.) vereinigt Menschen, die auf vielfältige Weise gegen diesen Verlust ansteuern möchten. Seit 2011 gibt es eine VEN-Regionalgruppe Mittelhessen. Die Mitglieder wollen sich in der Region besser kennen lernen, Sie wollen gemeinsam etwas tun. Im sommer treffen wir uns oft in verschiedenen Mitgliedergärten. Es zeigte sich deutlich:  G-Artenvielfalt ist  immer auch Sortenvielfalt.
Wie sieht unsere Arbeit das Jahr über aus? Teilnahme mit Info-Ständen auf Pflanzenmärkten, z.B. im Botanischen Garten Marburg oder dem Tag der Regionen in Gießen. Saatgutgewinnung, interne Bildungsarbeit, Vorträge, Kooperation mit Umweltgruppen  stehen ebenfalls auf dem Programm.
Jede/r, die/der  interessiert ist, ist bei unseren Treffen willkommen. 


Möchten Sie in Ihrem Garten  mehr Sortenvielfalt haben?: Über uns können Sie sehr viele Sorten beziehen (allerdings kein F1-Hybrid-Saatgut). Die Saatgutliste des VEN enthält über 500 Arten, bei einigen teilweise die gleiche Menge an Sorten, z.B. bei Tomaten. Auch bei Bohnen sind es mehrere Hundert. Und wenn Sie keinen Garten haben? Sortenvielfalt und Saatguterhaltung geht auch auf dem Balkon!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.