September – Der Herbst steht auf der Leiter

Am 1. September ist meteorologischer und am 22. September um 21.21 Uhr kalendarischer Herbstanfang. Das richtet sich nach der Zeit der Tag- und Nachtgleiche.
Zum Herbst gibt es ein schönes Gedicht von Peter Hacks (1928 – 2003, einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR, hat auch Märchen und Erzählungen für Kinder geschrieben). Unter heutigen klimatischen Bedingungen würde das Gedicht besser in den Oktober passen,

Der Herbst steht auf der Leiter
und malt die Blätter an,
ein lustiger Waldarbeiter,
ein froher Malersmann.

Er kleckst und pinselt fleißig
auf jedes Blattgewächs.
Und kommt ein frecher Zeisig,
schwupp, kriegt der auch ´nen Klecks.

Die Tanne spricht zum Herbste:
Das ist ja fürchterlich,
die anderen Bäume färbste,
was färbste nich mal mich?

Die Blätter flattern munter
und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende falln sie runter.

Früher war der September mein Lieblingsmonat. Warum? Er hatte das ganze Jahr in sich. Die Obstbäume im Garten waren noch keine fünf Jahre alt. aber es gab im Dorf ja die Obstbaumversteigerung. Dann fuhr die ganze Familie einschließlich der von Juni bis September bei uns weilenden Gäste mit dem Handwagen auf den Gänsberg, um vom ersteigerten Baum Zwetschgen zu ernten.

Reife Zwetschgen und Spinnennetze im Tau: Septembersymbole

Ich liebte diese Erntefahrten und auch den Duft, der in den nächsten Tagen vom Muskochen durchs Haus zog. Wenn ich mich Anfang der 60er Jahre aufs Fahrrad schwang, um zur Schule zu fahren, konnte es sein, dass die Pfützen eine kleine Eisschicht trugen. Der Atem war eine sichtbare Wolke. Fast regelmäßig gab es die ersten Nachtfröste, und dann hingen die gestern noch prächtig blühenden Dahlien grauschwarz und vermatscht auf dem Beet.

Erfrorene Dahlien
Landschaft im Nebel

Anfang der 70er war ich öfter in Weilburg. Wenn ich morgens aus dem Haus ging, hüllte Nebel die ganze Stadt ein, Sichtweite knappe 30m. Aber am Straßenrand standen Weißdornsträucher, die reichlich Früchte trugen. Die konnte ich als Grundlage für einen Blumenstrauß nutzen. Am Nachmittag, wenn ich mich mit meinem Freund zum Minigolfspielen in der Nähe des Bahnhofs traf, schien die Sonne am wolkenlosen Himmel, und es war eine Hitze wie (damals) im August. Es gab noch viel mehr Einzelhandelsgeschäfte, die Sämereien und Blumenzwiebeln anboten, außerdem die Zeitung „Der Garten als Jungborn“, die so richtig Appetit auf den nächsten Frühling machte. Und den konnte ich dort kaufen und im September schon pflanzen – da wo die abgestorbenen Dahlien standen.

Blumenzwiebelverkauf Fellingshausen September 2012

Fledermäuse lieben weiß?

Weiße Blüten leuchten im Dunkeln

Nein, das ist natürlich so nicht richtig. Manche Fledermausarten können zwar ein wenig schwarz-weiß sehen, aber im Wesentlichen orientieren sie sich mit ihren Rufen und ihren Ohren im Ultraschallbereich. Da sie nachts jagen, muss es auch viele nachaktive Beutetiere geben. Dazu gehören in unseren Breiten verschiedene Schmetterlinge, vor allem Schwärmer, Eulenfalter und Spanner. Alle mögen süßes Obst oder Nektar. Der ist häufig mit Duft verbunden und lockt die Schmetterlinge an. Zugleich orientieren sie sich an weißen Blüten oder auch gelben und rosafarbenen, die für Insekten sichtbares UV-Licht ausstrahlen. Wenn Sie also etwas für die Fledermäuse tun möchten, dann genügt es meistens schon, einen Balkonkasten mit den Pflanzen zu bestücken, die von nachtaktiven Insekten besucht werden.

Pflanzen für Spätheimkehrer und Nachtschwärmer:
Nachtkerzen (Oenothera biennis) – Weiße und Rote Lichtnelke (Silene alba/dioica) – Nachtviole (Hesperis matronalis) – Stechapfel (Datura stramonium) – Wegwarte (Cichorium intybus) – Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis) – Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum) und Hundsrose (Rosa canina) – Weißer Phlox (Phlox paniculata), Boretsch (Borago officinalis).

Wer nur einen Platz am Fensterbrett, aber auch Spaß am Kochen hat, der lockt mit Küchenkräutern wie Majoran, Minze, Melisse, Boretsch, Salbei, Schnittlauch und Thymian im Blumenkasten die Falter für die Fledermäuse an.

Das mit den Spätheimkehrern ist wörtlich gemeint. Falls Sie immer erst spät von der Arbeit kommen, sollten Sie die oben genannten Pflanzen im Garten ansiedeln. Dann haben Sie selber auch nach 22.00 Uhr noch Freude an Ihrem Garten – mit hellen Farben und viel Duft.

Fotos Eveline Renell (außer Waldgeißblatt)

Wertvolle Lebensräume – 2. Teil: Der Garten

Erdkröte (wikipedia)
Spannerraupe (wikipedia)

Im Artikel vom 1. Juli im Gießener Anzeiger werden die Tipps der Stadt Gießen zur Schaffung von Lebensräumen im Garten veröffentlicht. Im zweiten Teil möchte ich die Empfehlungen für Gärten kommentieren. Im Artikel geht man davon aus, dass alle Leute Wildtiere im Garten haben möchten. Ich stelle hier mal die Frage, ob das tatsächlich so ist. Wer es sich – noch – nicht vorstellen kann, dass Igel, Ringelnattern, Zauneidechsen, Erdkröten, und natürlich ganz viele Insektenarten mit ihm den Garten teilen, der kann hier mit dem Lesen aufhören.

Wer gerne Vögel im Garten hat und bisher glaubt, durch Füttern alleine könne er sie anziehen, der irrt. Alle Vögel sind auf zusagende Nistplätze angewiesen. Mit einem Nistkasten ist nur den wenigsten geholfen. Unsere Mönchsgrasmücken zum Beispiel nisten in 1m Höhe in einem nicht beschnittenen Gebüsch. Ganz viele Vögel sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Insekten aber leben in ganz unterschiedlichen Bereichen eines Gartens. Je vielseitiger der Garten, desto vielseitiger die Insektenwelt.

Weidenskulptur
Baum-Stelen
Altbau-Wohnungen


Lassen Sie einem alten Baum die abgestorbenen Äste. Siebenschläfer, Haselmäuse, Fledermäuse brauchen sie. Bei den Vögeln sind vor allem die Spechtartigen darauf angewiesen. Stapeln Sie heruntergefallene Äste zu einem Totholzhaufen. Legen Sie einen Komposthaufen an. Darin wimmelt es von Futter für die Vögel, und dieses „Futter“ ist gleichzeitig an der Zersetzung der Gartenabfälle beteiligt. An heißen Sommertagen sind auch Vögel durstig, also mehrere Katzensichere Tränken aufstellen – dann kommen auch Wildbienen, Schwebfliegen, Libellen zu Besuch. Pflanzen Sie im April ein paar Möhren, Petersilienwurzeln oder Pastinaken ins Blumenbeet. Das sieht schön aus und ist wie alle Doldenblütler ein Tummelplatz für Fliegen, Schwebfliegen, Käfer und manch einen Schmetterling. Das Foto unten zeigt den wildwachsenden Wiesen-Bärenklau. Bitte nicht verwechseln mit dem invasiven Riesen-Bärenklau oder Herkulesstaude. Der Wiesen-Bärenklau ist in unseren Garten eingewandert. Zu sehen sind viele Schwebfliegenarten, Fliegen und zwei Bockkäfer. Sie können hier Nektar tanken. Aus wikipedia: Diese Pflanzenart wird von der auf Doldenblütler spezialisierten Bärenklau-Sandbiene (Andrena rosae) als Pollenquelle genutzt.[2] Wichtige Bestäuber sind verschiedene Mücken, Fliegen, Hautflügler, Schmetterlinge, Fransenflügler und Käfer, z. B. der bunte Bockkäfer. Der Wiesen-Bärenklau ist die Raupen-Futterpflanze für die Schmetterlingsarten Silberpunkt-Höckereule, Weiderich-Blütenspanner, Bärenklau-Rauhaareule, Mondfleckiger Blütenspanner, Haarstrang-Blütenspanner, Brustwurz-Blütenspanner, Bärenklau-Blütenspanner und Purpurglanzeule.*)

Doldenblüte, hier der Wiesen-Bärenklau.

Denken sie bei der Neu- oder Umgestaltung Ihres Gartens daran, dass Sie auch selber etwas zum Naschen haben. Früh blühend! und tragend sind alle Arten von Beerensträuchern. Die Amseln ernten teilweise alle Roten Johannisbeeren ab, aber an die weißen, rosafarbenen, schwarzen oder sogar grünen gehen sie nicht. Richtig gepflanzt gibt es Nahrung für Mensch und Tier.

Champagnerfarbene Johannisbeere, Foto Manfred Hans


Diese Vielfalt ist über einige Spezialgärtnereien zu beziehen: .gartenrot.com/beerenstraeucher/; .manfredhans.de/Pflanzenvorbestellung/Johannis-Stachelbeeren-
.baumschule-horstmann.de/schwarze-johannisbeeren-59b.html
Überrascht bin ich über die Vielfalt an Beerenobst, die von der Baumschule Horstmann angeboten wird. allerdings lohnt Horstmann immer, wenn man auf der Suche nach speziellen Pflanzen ist.

Wer den Garten neu anlegt, sollte den „Hausbaum“ nicht vergessen. Falls das Gelände groß und breit ist, ist ein Walnussbaum ein toller Schattenspender – ab ca. 10. Standjahr. Er garantiert Kühle und Mückenfreiheit. Bitte Grenzabstände einhalten ($38 Hessisches Nachbarschaftsrecht, bei der Walnuss 4m). Bei kleinen Gärten würde ich eine Eberesche oder einen Wildapfel auswählen (Abstand 1,5-2m). Ist auch essbar, aber es fallen einem nur Mini-Äpfel auf den Kaffeetisch. Kleine Tiere ernten die ganze Frucht, und Sie müssen sich nicht über angeknabbertes Obst ärgern (In anderen Bundesländern können größere Abstände gelten).
Sträucher wie Holunder, Hartriegel, Faulbaum, Liguster oder Wilder Wein sind tolle Gewächse. Gibt es aber schöne helle Terrassen in der Nähe, ist mit ihnen der Ärger vorprogrammiert, denn manche Vögel setzen nach dem Verzehr der Früchte violetten, stark färbenden Kot ab. Eberesche, Weißdorn, Pfaffenhütchen oder Schneebeere färben nicht.

Und keine Blumenwiesen? Das gibt demnächst einen eigenen Artikel.

*) wikipedia.org Wiesen-Bärenklau
Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Eveline Renell


Wertvolle Lebensräume-Balkon und Terrasse

Stadt Gießen gibt Tipps für die Ansiedlung von Tieren im Garten

Kästen bepflanzt mit Fetter Henne, Minze und Kapuzinerkresse, statt Hortensie besser Phlox

So lautete ein Artikel im Gießener Anzeiger vom 1. Juli 2021. Was ich daran auszusetzen habe: Die Tipps sind sehr, sehr allgemein. Sie helfen jemandem, der nur einen Balkon hat nicht weiter. Selbst Besitzer eines großen Gartens müssten aus der Menge der genannten Pflanzen eine Auswahl treffen, aber nach welchen Kriterien? Daher will ich die Tipps ein wenig sortieren und fange an mit

Fensterbank, Balkone und Terrassen
Fensterbank? Am einfachsten und auch Hitze vertragend ist ein Balkonkasten, der mit einem Gemisch aus Split, Sand, Lehm und Kompost gefüllt und mit Hauswurz bepflanzt wird. Da gibt es so Hunderte tolle Sorten. Schauen Sie sich mal die Sammlung von Herrn Nobbmann in der Gärtnerei Rinn in Heuchelheim an.

Hauswurz schiebt die Blütenstiele

Es gibt nur einen Balkon? Dann ist es wichtig, das/die Pflanzgefäß/e so groß wie möglich zu wählen. Bei vorhandener Fläche sind Mörtelkübel preiswert und ermöglichen sogar einen Strauch oder Kleinbaum. 2-3 Abzugslöcher eine Handbreit über dem Boden anbringen, bis zu der Höhe groben Kies einfüllen, mit Tuch abdecken, Erde drauf. Dann entsteht ein Wasserreservoir, aber bei Dauerregen können Überschüsse auch abfließen. Ich würde mich wohl für die Mährische Eberesche `Edulis´, einen Zierapfel oder eine Zwergfelsenbirne entscheiden. Alle sind bei Vögeln beliebt und auch für Menschen essbar, dekorativ; und die Früchte machen keine Flecken. Zierapfel und Eberesche gibt es auch in Säulenform. Als Vogelversteck kann man eine Hainbuche pflanzen, die regelmäßig beschnitten wird. Die dadurch entstehenden Astquirle sind ein guter Halt für Vogelnester und verwehren u.U. der Hauskatze den Zugriff. An der Hauswand kann ein Nistkasten befestigt werden.

Die Felsenbirne bildet leckere kleine essbare Früchte, die lilafarbigen sind reif


Wenn Sie nur Platz für Balkonkästen haben, dann wählen Sie die größten, die Sie bekommen können, möglichst mit Wasserreservoir und in einer hellen Farbe. Empfehlenswert sind Breite und Höhe von 28/30cm, die Länge passen Sie dem Balkon und dem, was Sie tragen können an. Wählen Sie auf jeden Fall Kunststoff, kein Metall. Fassen Sie ein Auto in der Mittagshitze an, dann wissen sie warum. Man kann die Kästen auch an einer Wand auf ein Kellerregal stellen, wenn man einfache Bretter unterlegt.
Gekaufte Erde, die meistens viel Torf enthält, sollten sie mit Gartenerde, Sand, evtl. Schafwolle oder Kokosfasersubstrat mischen. Denn Torf, einmal ausgetrocknet, lässt sich nur mit kochendem Wasser wieder regenerieren.
Welche Pflanzen kommen in Frage? In den großen Kästen wachsen auch Gartenstauden sehr gut. Aber Sie wollen ja die Vielfalt der Wildstauden.

Jan-März: Krokusse, Primeln, kleine Tulpenarten, Christrose, Schneeheide, Traubenhyazinthen, Lungenkraut

April/Mai: Barbarakresse, Bergsteinkraut, Gundermann (hängend), Kriechender Günsel, Wiesensalbei, Rote Lichtnelke, Akelei, diverse Nelken, Gämswurz, Erdbeeren, Staudenlein

Juni/Juli: Schafgarbe in versch. Farben, Frauenmantel, Zwergrose z.B. Topolino, Schnittlauch, Sterndolde, Wiesen- und Alpenflockenblume, Großblättriger Fingerhut, Wiesenstorchschnabel, Salbei-Gamander, Moschusmalve, Wiesenmargerite/ Pfirsichblättrige und Knäuel-Glockenblume, Mutterkraut, Bartnelken, Kronenlichtnelke,

August /September: Schafgarbe, Bergaster, Goldhaaraster, Steinquendel,

Die Myrtenaster blüht bis in den Dezember hinein.
Die Schwarze Königskerze wird besonders von vielen kleinen Käfern besucht.

Oktober/Dezember: Myrtenaster, Goldhaaraster, Rudbeckien, Efeublättriges Alpenveilchen, Christrose, Ungefüllte Chrysanthemen, z.B. Vreneli, Oury, Julia. Brauner Storchschnabel ist wintergrün

Die Blütezeiten überlappen und variieren je nach Witterungsverlauf. Pflanzen für Feuchtgebiete wurden nicht genannt, ebenso wenig solche, die extrem groß werden. Auch auf Pflanzen, die sich nicht gut mit anderen vertragen, wurde hier soweit bekannt verzichtet. Einjährige kann man einzeln dazwischen säen/pflanzen. Manches Kraut fliegt an und bleibt (Die von Eichhörnchen gepflanzte Walnuss muss leider entfernt werden). Gemüse wie Möhren, Pastinake oder ausgetriebene Zwiebeln werden im April dazwischen gesteckt. Im Laufe des Jahres müssen die Pflanzen zurück geschnitten werden – aus Platzgründen. Die Spätsommer- und Herbstblüher können ihre Samenstände behalten. Im Dezember steckt man ein paar Koniferen dazwischen, und der Balkon ist schön für den Winter.

Fotos Eveline Renell; Fotos von Christrose, Brauner Storcheschnabel und Myrtenaster aus dem Online-Shop der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler:.gaertnerei-strickler.de

Ein Lob den Immergrünen

Es ist Anfang Juli 2012. Nachdem ich in diesem trockenen und windigen Sommer bereits sechs Mal seit Mai eine Schubkarre mit Fichtennadeln zusammengekehrt habe, muss ich meinem Ärger einfach mit Schreiben Luft machen.

„Immergrüne machen gar keine Arbeit“ Von wem stammt bloß dieser Spruch? Auf jeden Fall von Leuten, die noch nie einen älteren Nadelbaum im Garten hatten. In einer hinteren Gartenecke mag es angehen, aber bei uns steht eine Fichte an der Küchenterrasse und eine weitere sowie eine Schwarzkiefer am Haupteingang, alle  eigentlich Waldbäume und mal als Weihnachtsbäumchen mit Wurzeln gekauft. Es gibt noch ein paar Lärchen, die ich schön finde, aber die komplett „inkontinent“ sind, denn sie werfen ihre Zweige beim kleinsten Windhauch ganzjährig ab. Also, liebe Gartenbesitzer! Solltet ihr gerade neu gebaut haben, und für den Garten ist kein Geld mehr da: Finger weg von Koniferen! Was so klein und niedlich aussah wie ein junges Kätzchen, macht im Alter nur Arbeit. Außerdem saugen die großen Bäume ganz viel Wasser weg, das später den darunter stehenden Stauden fehlt.

Die Hecke soll schnell dicht sein, darum also die billige Thuja oder diverse Scheinzypressen aus dem Baumarkt? In einer Parklandschaft mit genügend Platz können wunderschöne, ca. 15m hohe Bäume daraus werden. Aber im kleinen Garten kaufen Sie damit „Teufelszeug“. Als Gartenneuling sind Sie vermutlich noch kein versierter Heckenschneider. Kein Problem bei Eibe und Hainbuche oder Weißdorn. Wie auch Kirschlorbeer  verzeihen sie jeden Schnittfehler und wachsen innerhalb eines Jahres aus den blattlosen Ästen  wieder nach. Thuja und Scheinzypresse zu tief geschnitten? Entweder passiert gar nichts mehr und Sie schauen ins nackte Holz, oder sie müssen einige Jahre auf Wiederbegrünung warten.
Im Wurzelbereich wächst fast gar nichts. Mit Kaukasusvergissmeinnicht habe ich gute Erfahrungen. Aber selbst Goldfelberich, Seifenkraut und Kaukasus-Storchschnabel, die doch fast überall wachsen, verzichten dankend auf diesen Platz – zumindest lassen sie sich sehr bitten. Sogar der Efeu,  mit dem ich eine verkahlte Thuja verkleiden wollte, brauchte 7 Jahre gutes Zureden. Efeu ist auch so ein Kandidat. Ich mag ihn sehr (siehe Teil 2), aber sobald er älter ist, wirft er andauernd trockene Blätter ab, die der Wind stets dahin weht, wo sie stören.  Genauso wie bei Kirschlorbeer und Runzelblättrigem Schneeball.

Investieren Sie im neuen Garten lieber ein bisschen Geld in einen Laubbaum, der schon etwas größer ist und bald an heißen Sommertagen Schatten spenden wird. Im Winter darf die seltene Sonne dann wieder hemmungslos durch die kahlen Zweige ins Haus scheinen. Und die restliche nackte Fläche wird vorerst mit wunderschönen Sommerblumen und hohen Gemüsesorten aus der Samentüte blickdicht gemacht.

Alte Apfelsorten ausverkauft

Im Nachbarort von Biebertal gibt es gleich zwei sehr gute, tradtionsbewußte Baumschulen, Engelhardt und Rinn. Im Jahre 1904 fand Philipp Rinn einen Zufallssämling auf dem Gelände des Kindergartens und vermehrte ihn. Der `Heuchelheimer Schneeapfel´ war geboren. Wenn das Gute so nah liegt, dann verschenken wir einen Baum dieser Sorte auch gerne. Doch beim Anruf am 15. Mai gab es folgende Antwort: „Alle alten Obstsorten sind bundesweit ausverkauft und erst ab Oktober wieder zu bekommen.“ Beschreibung des Heuchelheimer Schneeapfels

Unser Tipp: Wenn Sie die Absicht haben, in den nächsten Jahren einen Obstbaum zu pflanzen, besonders eine alte Apfelsorte, dann sollten Sie den Baum jetzt bestellen. Demnächst beginnt nämlich die Sommerveredelung. https://www.youtube.com/watch?v=F6paAXoPa5w
Und wenn Hessen auch fast keine hier entstandenen Gemüsesorten hat, an Apfelsorten hessischer Herkunft herrscht kein Mangel, wie die nachfolgende Liste zeigt.

Der Heuchelheimer Schneeapfel war 2003 auch Hessische Lokalsorte.

Im Märzen der Bauer…

Frühlingskrokus (Crocus vernus) `Rembrandt´

Im Märzen der Bauer – wenn die großblumigen Krokusse blühen, beginnt die Gartenarbeit
Die Rößlein einspannt – bei schweren Böden sind Pferde besser als Maschinen
Er pflanzt und er schneidet – Die Frühjahrspflanzzeit beginnt,
Die Bäume im Land die Zeit des Baumschnittes endet
Er ackert, er egget – Gründüngung abharken oder einarbeiten, Beete oberflächlich lockern
Er pflüget und sät – erste Saaten: Puffbohnen, Frühmöhren, Zwiebeln stecken, später Palerbsen
Und regt seine Hände – um die Zeit macht das auch viel Spaß
Gar früh und noch spät – Entweder oder. Abends duftet der Garten nach Erde, und die Amseln flöten
Den Rechen, den Spaten – Der Rechen ist wichtig, der Spaten nur zum Einpflanzen
Den nimmt er zur Hand – Das Gerät sollte handlich sein, es gibt auch gute, leichte Damenspaten
Und ebnet die Äcker – die Saatbeete werden bis zu dreimal in drei Richtungen geharkt
Und Wiesen im Land – Rasen mit spitzer Harke bearbeiten, das entfernt Abgestorbenes und lüftet
Auch pflegt er die Bäume – Laub von den Baumscheiben entfernen (Wärme) und Boden lockern
Mit edlerem Reis – Zeit zum Veredeln: für Pfropfung und Chip-Veredlung
Und spart weder Arbeit
Noch Mühe noch Fleiß Chip-Veredlung

Das Samenkorn spricht:

Säst du im Märzen mich zu früh
ists oft vergeb´ne Liebesmüh.

Säst du mich im April,
dann komm ich, wann ich will.

Säst du mich im Mai,
komm ich schnell herbei.

Der Namen gebende März ist die Hochzeit des Märzenbechers, Ihn mag ich auch sehr gerne. Leider wachsen in unserem Garten nur sehr wenige, aber mit ihm muss man mehr Geduld haben als mit den Schneeglöckchen. Hier füge ich nur ein Foto ein.

Gar nicht weit weg wächst diese Verwandte der Amaryllis auf ca 3000m“

Weitere Fotos und texte findet ihr unter: maerzenbecher-bei-homberg-ohm/

Phänologie: Der Erstfrühling beginnt mit der Blüte der Forsythie und des Buschwindröschens.
Weitere Beobachtungen: Austrieb von Rosskastanie, Eberesche, Hänge-Birke, Schlehe und Apfel. Bei Reben beginnt das Bluten.
In der Mitte bis gegen Ende des Erstfrühlings ist die Blattoberfläche sichtbar bei Europäischer Lärche, Rosskastanie, Schwarzerle, Hängebirke und Stachelbeere. Stachelbeere und Rote Johannisbeere beginnen zu blühen.
Wer die Gelegenheit hat, Ackerbaukulturen zu beobachten, sieht im Erstfrühling die Aussaat von Hafer und Zuckerrüben, den Aufgang von Hafer und das Schossen von Raps.

Der Erstfrühling kann sich im Norden und in den Höhenlagen bis Ende April hinziehen.

Märzenbecher bei Homberg/Ohm

Kleine Gruppe mit üblichen grünen Spitzen
es gibt auch gelbe Spitzen

Eine Frühlingsblume aus der Nachbarschaft Ist der Märzenbecher (Leucojum vernum, Amaryllidaceae). Er ist nämlich in Mitteleuropa zu Hause und wird nachweislich seit 1420 als Gartenblume verwendet. Warum ist er dennoch so selten in den Gärten?  Er braucht frischen bis feuchten nährstoffreichen Boden, Halbschatten und verträgt Kalk. In Hessen gibt es einige großflächige Vorkommen. Das größte liegt in der Nähe von Homberg/Ohm in einem Auwald.

Man ahnt das sehr feuchte Gelände

Nachdem wir uns an den Massen erfreut hatten, gingen wir gezielt auf die Suche nach Abweichungen, die es bei solchem Blütenreichtum immer gibt. Dazwischen Pflanzenfotos von anderen dort wachsenden Arten.

In einigen Biebertaler Dörfern fließen Bäche an Gartengrundstücken entlang. Hier würde die Pflanze sich sehr wohl fühlen.  Einen Klumpen Zwiebeln nach der Blüte teilen und an den endgültigen Standort setzen. Wie viele andere Frühblüher auch möchte der Märzenbecher in Ruhe gelassen werden, d.h. hacken, graben, zu früher Rasenschnitt und Gifte findet er überhaupt nicht gut. Wenn er sich wohlfühlt, wird er sich bald versamen, wenn nicht, dann ist er schnell wieder weg.

Das Vorfrühlingsalpenveilchen – Cyclamen coum

Auch bei diesem Alpenveilchen gibt es verschiedene Farben und Blattzeichnungen, Foto Winfried Senger

In Biebertal haben wir kalkhaltige, steinige Böden, die bestimmten (eher seltenen und oft geschützten) Pflanzen sehr behagen. Dazu gehören die Freilandalpenveilchen. Davon gibt es genügend Arten, dass man ganzjährig blühende haben könnte. Cyclamen coum, das Vorfrühlingsalpenveilchen, zeigt bei uns bereits Ende Dezember die erste Blüte. Ab Ende Januar läuft es zur Hochform auf und erfreut uns bis Mitte März.  Ein niedriges Pflänzchen mit kleinen Blättern und Blüten, aber mit einer Leuchtkraft, die große Fernwirkung entfaltet. Außerdem es nicht nur trockenheitsverträglich, sondern liebt es geradezu, im lichten Schatten höherer Bäume und deren Wurzelbereich zu stehen. Sommerhitze und Trockenheit ist dieses Alpenveilchen aus den ursprünglichen Verbreitungsgebieten gewöhnt: von Bulgarien bis zum Kaspischen Meer und von Israel über den Libanon und Syrien bis zur Osttürkei.

Warum wollen Sie in Ihrem Garten auf frühe Blüten verzichten? Neben Hamamelis und Haselnuss oder unter Magnolien können große Flächen von Cyclamen coum im Laufe der Jahre ihre Pracht entfalten, umringt von Winterlingen, Schneeglöckchen und Lenzrosen. Cyclamen können übrigens viele Jahrzehnte alt werden.

Über unseren Alpenveilchen wachsen einige Edelrosen, Bergastern und Gamander, die ebenfalls Trockenheitskünstler sind und dafür sorgen, dass man die Alpenveilchen nach dem Einziehen der Blätter über Sommer einfach vergisst und in Ruhe lässt.
Sind Sie auf den Geschmack gekommen? Dann müssen Sie nicht lange nach schönen Exemplaren suchen. In Heuchelheim in der Baumschule Rinn hat der Gärtner Lüder Nobbmann eine große Sammlung dieser Kleinode. Er züchtet auch seit Jahren damit. So entstanden besondere Blütenfarben und Blattzeichnungen. Da Herr Nobbmann nur nachmittags vor Ort ist, sollten Sie diese Zeit zum Einkaufen wählen.

Wikipedia – Curtis Botanical Magazine von 1797