Wertvolle Lebensräume, Teil 3: Die Blumenwiesen

Ein typischer Blühstreifen, nicht am Feldrand, sondern an einer Straße in Wetzlar
Zu sehen sind Statizen, Hundskamille, Roter Lein, Bechermalven, Ringelblumen, Rutenhirse, Zinnien u,a.

Das obige Foto zeigt, was derzeit meistens unter „Blumenwiese“ verstanden wird. Tatsächlich ist es ein Streifen mit einjährigen Sommerblumen, die auf eine nackte Beetfläche gesät wurden. Wenn es sich um ungefüllte Blüten handelt, wie es für Insekten sinnvoll ist, hält die Blütenpracht nur wenige Monate. Bei vielen von ihnen handelt es sich um so genannte Ackerbegleitkräuter. Diese keimen im Herbst mit dem Wintergetreide, müssen aber vor der Getreidereife blühen und und Samen bilden.

Hier wurden Klatschmohn und Kornblumen auf eine Ackerfläche gesät. In wenigen Wochen ist alle Schönheit abgestorben.


Für eine Wiese sehr wesentlich sind dauerhafte Gräser und Kräuter. Die Arten hängen davon ab, wie feucht oder trocken, warm oder kalt und sonnig oder schattig die Wiese liegt. Auf den meisten gedüngten Wiesen kommen vor Gänseblümchen, Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, oft Wiesenkerbel, und Schafgarbe. Während die ersten vier im April-Juni blühen, kann die Schafgarbe bis in den November ihre weißen Blütenköpfe zeigen. Je magerer der Boden ist, desto mehr Lücken entstehen im Gras und umso mehr bunte Blütenpflanzen können sich in den Zwischenräumen ansiedeln. Eine Reihe von ihnen bildet mit den Gräsern eine Wurzelsymbiose (Mykorrhiza), d.h. bei ihnen geht es nicht ohne Gras.

Eine dauerhafte Blumenwiese kann man auf verschiedene Weisen anlegen:
1. Vorhandener Rasen: Von einer Fläche, um die man gut mit dem Rasenmäher herumfahren kann, werden Grassoden abgehoben (umgedreht auf einander gestapelt gibt das nach einigen Monaten gute Blumenerde). Hier hinein werden Starterstauden*1) gepflanzt. Bei Aussaat Fläche 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, die bis dahin aufgelaufenen Unkräuter ganz flach abschaben*2), erst dann säen

2. Beet als Blumenwiese anlegen: Nicht umgraben! Gute Erde abnehmen (für Gemüse, Prachtstauden), etwas Sand oder Lavagranulat leicht einharken. 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, aufgelaufene Unkräuter abschaben*2). Jetzt erst säen oder pflanzen.

Sollte die Fläche viele Wurzelunkräuter (Quecke, Ackerwinde, Giersch) enthalten, kann man einen anderen Platz wählen oder sie integrieren. Quecke fühlt sich allerdings auf Rohböden wohl. Hier ist der andere Platz vorzuziehen.

Geeignete Saatgutmischungen kauft man besser im Fachhandel. Ich kann hier die Firma Gewiehs empfehlen, bei der ich bereits seit 1979 Blumenzwiebeln kaufe. Gewiehs Blumenzwiebeln für Insekten. Angeboten werden Mischungen für verschiedene Standorte sowie Saatgut von ein- und Zweijährigen und Stauden. Online bestellen oder Katalog anfordern!
Beispiele für Samenmischungen von mehrjährigen Blumenwiesen:

Unterschieden wird nach dem Anteil an ein- und zweijährigen Pflanzen sowie Stauden, außerdem nach der gewünschten Höhe . Auf einem kleinen Rasenstück sehen Pflanzen bis maximal 60cm Höhe besser aus. Sie vertragen auch leichte Schattierung. Höhere Pflanzen, auch mit Sonnenblumen, besser bei großen Flächen in voller Sonne, damit sie nicht umkippen. Die einjährigen Pflanzen geben im ersten Jahr schon ein buntes Bild, verschwinden aber, wenn die Zweijährigen hinzu kommen (siehe Fotos unten, beide aus Krumbach) und die sich langsamer entwickelnden Stauden größer sind.

Gewöhnlicher Natternkopf
Schwarze Königskerze

Statt eine Samenmischung zu kaufen, kann man jetzt noch reife = trockene Blütenstände verschiedener Pflanzen vom Spaziergang mitbringen (am Sammelort kopfüber in eine Papiertüte stecken). Der Samen soll sehr dünn ausgesät werden, dazu mischt man ihn am besten mit reichlich Sand. Anschließend wird die Fläche wie beim Rasensäen gewalzt (oder mit Brettern and den Schuhen platt getreten). Aussat vor Regen, gießen nicht nötig.

Es gibt auch Blumenwiesen für halbschattige Plätze und solche für sehr verdichtete, schotterige Böden, z.B. auf -ehemaligen- Parkplatzen und Zufahrten. Davon später.

zu *1) Starterstauden: Dazu gehören Margeriten, Kissenprimeln, Schlüsselblumen, Moschusmalven, Schnittlauch, Blutstorchschnabel, Labkräuter, Wiesensalbei, Schafgarbe, Wiesenflockenblume, Glockenblumen, Aber auch Blumenzwiebeln und -knollen gehören zu den Stauden. Es fängt an mit Winterling, Schneeglöckchen über Krokusse, Schneeglanz, Anemonen, Narzissen, Wildtulpen, Traubenhyazinthen und natürlich alle Arten von Allium = Zierlauche. Die Starterstauden können sich gegenüber dem Gras erstmal besser durchsetzen als Samen, sie werden später aber ihre Samen auch verstreuen.

*2) abschaben statt hacken. Unkrautsamensind sehr überlebensfähig. Sie ruhen bis zu 30 Jahren und mehr im Boden. Kommen sie an die Oberfläche, so löst das Licht die Keimung aus. Wenn man gekeimte Unkräuter tief abhackt, befördert man erneute Samen an die Oberfläche.

Alle Fotos Eveline Renell

Gemüse, die im Blumenbeet eine gute Figur machen

Bundesgartenschau Schwerin 2009
BuGa Schwerin 2009
Knolau Allium tuberosum

Winterheckzwiebel in Tagetes

Verschiedene Gartenmelden

Allium fistulosum
Allium porrum
Allium schoenoprasum
Allium tuberosum
Amaranthus lividus
Atriplex hortensis
Barbarea vulgaris
Beta vulgaris
Blitum virgatum
Brasssica species
Chaerophyllum bulbosum
Chenopodium giganteum
Chenopodium quinoa
Cichorium
Crambe maritima
Cynara cardunculus
Cynara scolymus
Daucus carota
Ipomoea batata
Isatis tinctoria
Myrrhis odorata
Oxalis tuberosa
Oxalis tetraphylla
Pastinaca sativa
Phaseolus vulgaris-Sorten
Pisum sativum-Sorten
Scandix pecten-veneris
Solanum tuberosum
Tetragonolobus purpureus

Winterheckzwiebel
Porree, Lauch
Schnittlauch
Knolau
Grüner+Roter Meier
Gartenmelde
Barbarakresse
Mangold, Rote Bete
Erdbeerspinat
Kohlarten
Kerbelrübe
Baumspinat
Quinoa
Chicoree, Radicchio, Endivie
Meerkohl
Kardone
Artischocke
Möhren
Süßkartoffeln
Färberwaid
Süßdolde
Knolliger Sauerklee, Oca
Vierblättriger Sauerklee
Pastinake
Gartenbohnen
Erbsen
Venushaarkamm
Kartoffeln
Rote Spargelerbse

St, weiß, Mai, horstig
2j, weiß-grün, April-Juni
St, weiß, lila, violett, Mai-Juni
St, weiß, August
1j, grüne+Rote Früchte
1j, Blätter grün, gelb, purp- vio
2j gelb April, Varietät. Variegata,
2j, gr, ge,or, rot Blattstiele
1j, rote Fruchtstände ab Juli
2j, Blattschmuck + gelbe Blüten
2j-St, Dolden, filigranes Blatt
1j, Triebe magenta, bis 3m
1j, farbige Samen
2j, hl-azurblaue Blüten
St, weiß, Mai-Juni, Solitär
2j, violett V-IX, Blattschmuck
2j, violett V-IX, Solitär/Gruppe
2j, Dolden VI-VII weiß – rosa
St wie Dahlien, Blattschmuck
2j, gelb, schwarze Früchte
St, Dolde weiß, filigrane Blätter
St wie Dahlie, Blattschmuck
St wie Dahlie, Blattschmuck
2j, Dolden grüngelb, ab Mai
1j, weiß, lila, Hülsen gr, ge, pu, rt
1j, wß, li-pu, Hülsen lila
2j, weiß, II-IV, 20cm, filigran
1j, nach Blütenfarbe auswählen
1j, rot(gelb), trocken, sonnig!

Unter den Gemüsen gibt es etliche Zweijährige. Geerntet werden sie im 1. Standjahr. Will man Saatgut gewinnen oder eine schöne Blüte im Blumenbeet, muss man manche von ihnen im Herbst rausnehmen und einlagern und im April wieder pflanzen. Dazu gehören die Möhren, Pastinaken oder Zichoriengewächse. Ich kaufe mir auch oft im April bunte Möhren und Pastinaken und pflanze sie. Ein Fest für Käfer und Fliegenarten.

Hier stelle ich ein paar Gemüse vor, die sich gut im Steingarten oder am Beetrand machen.

Und noch ein paar Pflanzenbilder. Die Helmbohne braucht einen sehr warmen Platz. auch ihre Hülsen sind wunderschön dunkelviolett. Gewerblicher Spargel ist steril. Bei Kartoffeln muss man ein bisschen nach Sorten suchen, die viele Blüten produzieren. Wenn ihr bei diesem Link bei den einzelnen Sorten auf Details klickt, wird auch die Blüte angezeigt. kartoffelvielfalt.de/Kategorie-BioPflanzkartoffeln

Und noch zwei Kombinationen von der Bundesgartenschau Schwerin 2009

Kohl `Nero di Toscana, rechts Amaranthus caudatus
Kopfsalat `Lollo Rosso´ mit Ageratum und Alyssum

Hirsearten: Davon gibt es sehr viele. Mir fehlen leider die Fotos. 16 Arten/Sorten hat die Gärtnerei deaflora.de/Shop/Hirse, und sie sind sehr schön anzusehen – und zu essen.


Eleusine = Fingerhirse
Eragrostis = Teff, Zwerghirse (150Samen wie 1 Weizenkorn)
Panicum =Rispenhirse
Pennisetum = Perlhirse
Setaria = Kolbenhirse
Sorghum = Kolbenhirse

Fotos Eveline Renell und Elfi

Im Märzen der Bauer…

Frühlingskrokus (Crocus vernus) `Rembrandt´

Im Märzen der Bauer – wenn die großblumigen Krokusse blühen, beginnt die Gartenarbeit
Die Rößlein einspannt – bei schweren Böden sind Pferde besser als Maschinen
Er pflanzt und er schneidet – Die Frühjahrspflanzzeit beginnt,
Die Bäume im Land die Zeit des Baumschnittes endet
Er ackert, er egget – Gründüngung abharken oder einarbeiten, Beete oberflächlich lockern
Er pflüget und sät – erste Saaten: Puffbohnen, Frühmöhren, Zwiebeln stecken, später Palerbsen
Und regt seine Hände – um die Zeit macht das auch viel Spaß
Gar früh und noch spät – Entweder oder. Abends duftet der Garten nach Erde, und die Amseln flöten
Den Rechen, den Spaten – Der Rechen ist wichtig, der Spaten nur zum Einpflanzen
Den nimmt er zur Hand – Das Gerät sollte handlich sein, es gibt auch gute, leichte Damenspaten
Und ebnet die Äcker – die Saatbeete werden bis zu dreimal in drei Richtungen geharkt
Und Wiesen im Land – Rasen mit spitzer Harke bearbeiten, das entfernt Abgestorbenes und lüftet
Auch pflegt er die Bäume – Laub von den Baumscheiben entfernen (Wärme) und Boden lockern
Mit edlerem Reis – Zeit zum Veredeln: für Pfropfung und Chip-Veredlung
Und spart weder Arbeit
Noch Mühe noch Fleiß Chip-Veredlung

Das Samenkorn spricht:

Säst du im Märzen mich zu früh
ists oft vergeb´ne Liebesmüh.

Säst du mich im April,
dann komm ich, wann ich will.

Säst du mich im Mai,
komm ich schnell herbei.

Der Namen gebende März ist die Hochzeit des Märzenbechers, Ihn mag ich auch sehr gerne. Leider wachsen in unserem Garten nur sehr wenige, aber mit ihm muss man mehr Geduld haben als mit den Schneeglöckchen. Hier füge ich nur ein Foto ein.

Gar nicht weit weg wächst diese Verwandte der Amaryllis auf ca 3000m“

Weitere Fotos und texte findet ihr unter: maerzenbecher-bei-homberg-ohm/

Phänologie: Der Erstfrühling beginnt mit der Blüte der Forsythie und des Buschwindröschens.
Weitere Beobachtungen: Austrieb von Rosskastanie, Eberesche, Hänge-Birke, Schlehe und Apfel. Bei Reben beginnt das Bluten.
In der Mitte bis gegen Ende des Erstfrühlings ist die Blattoberfläche sichtbar bei Europäischer Lärche, Rosskastanie, Schwarzerle, Hängebirke und Stachelbeere. Stachelbeere und Rote Johannisbeere beginnen zu blühen.
Wer die Gelegenheit hat, Ackerbaukulturen zu beobachten, sieht im Erstfrühling die Aussaat von Hafer und Zuckerrüben, den Aufgang von Hafer und das Schossen von Raps.

Der Erstfrühling kann sich im Norden und in den Höhenlagen bis Ende April hinziehen.

Saatgutangebote Blumen

1j= Aussaat III-V, oder Vorkultur, Blüte und Samenbildung im gleichen Kalenderjahr
2j= Aussaat im Ende V- Anfang VII, erstes Jahr nur Rosette, 2. Jahr Blüte und Samenbildung
St = Staude, +/- ausdauernde Pflanzen, hier nur kurzlebige mit Aussaat im Frühjahr, auch Vorkultur

KtPf = Kurztagspflanze, Erklärung siehe Gärtnerische und botanische Grundbegriffe
Wipf = Wildpflanze

Bitterlupine1j, auch als Gründüngung
Blumenmix für Bienen1-2j, St
Cosmea1j, sehr feine Blätter, 20-140cm, möglichst früh säen, da KtPfl
Gartenfuchsschwanz, steh.,  rot1j, dekorative Form, essbare Körner, Selbstaussaat
Gartenmohn, gefranst, r,rs, li1j, silbrige Blätter, Kapseln zum Basteln, Selbstaussaat
Gaura, PräriekerzeSt, grazil, verwebt andere Pflanzen
Jungfer im Grünen1j, kurzlebig, Kapseln als Trockenblume, Selbstaussaat
Klatschmohn, rot1j, Selbstaussaat auf offenen Beeten, Wipf
Kokardenblume 1-2j, St, rot-gelb, Sonne
Kornrade1-2j, bedrohtes Ackerunkraut, A besser IX-X, keine Wiesenpflanze, Wipf
Kronenlichtnelke Oculata2j, silbrige Rosetten, weiß mit purpur Auge, gedeiht sogar unter Fichten
Löwenmäulchen1j, Farb- und Höhenmix, blüht manchmal noch in XII
Marienglockenblume2j, große Glocken, bl, rs, wß
MoschusmalveSt, 30-80cm, oft in trockenen Wiesen, rosa, Wipf
Nachtkerzen (biennis)2j, Nachtfalterblume, „Schinkenwurzel“ essbar, zur Bodenlockerung, Wipf
Nickendes LeimkrautSt, Nachtfalterblume, zierliche, weiße Blüten, Ansprüche wie Malve, Wipf
Pfirs. Glockenblume2j, bl, wß Sonne + Schatten, passt immer, Wipf
Rizinus1j, als Solitär, ganze Pflanze sehr giftig
Silbertaler, gr-wß Blatt2j Blüte lila, Blätter ab X-III/IV schmückend, Halbschatten, Blüte IV – V
Silbertaler, lila2j, bekannte Art, Winter dekorativ weiß, Kreuzblütler,
Silbertaler, li-wß Blüte2j, Blüten zweifarbig
Sonnenblume1j, mittelhoch, gelb-gelb
Stockrose mix2j-St, liebt Sonne +Wurzeln unter Steinen (Sommer warm, Winter trocken)
Stockrose, gefüllt, rot2j-St, dito, in feuchter Luft kein Rost, früh säen und auspflanzen, nicht im Topf
Studentenblume, feinbl.1j, auch Gewürztagetes, essbar, Einfassung, gegen Bodenälchen
Tithonie1j, orange Blüten, 80-140cm, Korbblütler, als Solitär oder kleine Gruppe
Weberkarde2j, Distelgewächs – Blätter bilden „Badewanne“, Insekten!, Wipf
Ziertabak1j , Nachtfalterblume für langrüsselige Insekten, Duft

Nachtrag am 2.3.21
Ästige Graslilie St., für trockene, sonnige Böden, weiß, VII-VIII (Anthericum ramosum) Wipf
Strahlenbreitsame 2j, Doldenblütler, Äcker, weiß, ab VI, Wipf, gefährdet (Orlaya grandiflora)
Färberkamille 2j-St. Korbblütler, gelb, Färbepflanze, ab V, Wipf, (Anthemis tinctoria)
Prunkwinde 1j, klettert 2-4m, ab VI, blau-purpur, weiß, (Ipomoea purpurea)

Saatgutangebote Blattgemüse

Salate, Melden, Mangold, Kohl und andere, Aussaat ab März
1j=Pflanzen blühen im 1. Jahr, 2j=Pflanzen blühen nach Überwinterung, PK=Eignung für Permakultur
B BaumspinatMagentaspreen1j, einfach, bis 3m, später Selbstaussaat, PK
B ChicoreeRosso Verona2j, zum Treiben, Blätter purpur 
B ChicoreeVariegata di Castelfranco2j, rund, helle Blätter getupft
B Chicoreezum Schnitt, Catalogna Brindisina2j, mehrköpfig
B EichblattsalatKanarienzunge1j, lange, schmale Blätter
B KopfsalatAttraktion1j, schöne Köpfe
B KopsalatRadicchetta1j, zum Pflücken
B MangoldLukullus2j, grün, Blätter+Stängel
B MangoldEwiger Spinat2j, grün, Blätter, Selbstaussaat, PK
B Melderot1j, einfach, bis 1m, Blätter purpur, Selbstaussaat, PK
B Meldegelb1j, einfach, bis 1m, Blätter gelbgrün, Selbstaussaat, PK
B RömersalatWiener Maidi1j, locker, Anbau III-VIII
B SpargelsalatCeltuce1j, Blätter + Stängel, III-VIII
B SpargelsalatMischung1j, Blätter + Stängel, III-VIII, z.T. Selbstaussaat, PK
B WinterendivieGelber Escariol2j, feine Blätter, Aussaat ab E VI-VII
B ZichorieZuckerhut2j, ovale 40cm lange Köpfe, ab V
B Spargelsalat Kasseler Strünkchen1j dicke, abgerundete Blätter, orig. hessische Sorte
K GrünkohlHalbhoher Grüner Krauser2j, ca 80cm, A EV -A VIII
K GrünkohlNero di Toscana2j, 60- 80cm, A EV -A VIII
K GrünkohlOstfriesische Palme2j, bis 1,60m, auch Federkohl
K GrünkohlSchlossgarten Eutin2j, grün, 100cm
K WeißkohlPenca de Chaves2j,lockerer Weißkohl, lecker
Spargelsalat `Grüner Stern´ – Selbstaussaat
Eichblattsalat

oben fast erntereifer Zuckerhutsalat
oben rechts Blüten des Zuckerhut-Salates im folgenden Jahr
unten rechts: Kopfsalat in Blüte

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Roemersalat.jpg
Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Escarioljpg.jpg

Beim Erhalt der Sortenvielfalt kann jeder mitmachen

Betrübt Sie auch das geringe Sortiment an Obst und Gemüse in den Supermärkten? Das können Sie persönlich ändern.

Sortiment kommt von Sorten. Bei Schokolade ist dieser Begriff schon lange vertraut. Ein paar Apfelsorten kann fast jeder nennen. Biebertaler, die offenen Sinnes über die heimischen Feldwege wanderten, können sich im Herbst an besonders vielen Apfel- und Birnensorten erfreuen. Oft ist es ein optischer Genuss, aber auch Nase und Mund kommen auf ihre Kosten. Die ursprünglichen Obstbaum-Pflanzungen gehen bereits auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, als auf fürstlichen Erlass überall Obstbäume gepflanzt werden mussten, um die Ernährungssituation der Bevölkerung zu verbessern.

Wie viele Gemüsesorten kennen Sie? Einige Salate, ein paar Kartoffelsorten, rote und gelbe Tomaten? Kennen Sie `Grüner Stern´, `Posthörnchen´, roten Spitzkohl `Vysocke´, `Spatzeneier´, `Goldball´ oder `Gärtners Wonne´? Wussten Sie, dass die Universität Gießen in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine eigene Sojabohnensorte hatte? Sojaanbau in Deutschland?  Ist möglich!
Etwa 90% aller Sorten, die man vor 100 Jahren im Anbau hatte, sind inzwischen vom Markt verschwunden.  Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur. Unter anderem trägt seit Jahrzehnten das wirtschaftliche Interesse weltweit agierender Saatgutunternehmen sehr zur Verringerung der Vielfalt bei. 

Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN e.V.) vereinigt Menschen, die auf vielfältige Weise gegen diesen Verlust ansteuern möchten. Seit 2011 gibt es eine VEN-Regionalgruppe Mittelhessen. Die Mitglieder wollen sich in der Region besser kennen lernen, Sie wollen gemeinsam etwas tun. Im sommer treffen wir uns oft in verschiedenen Mitgliedergärten. Es zeigte sich deutlich:  G-Artenvielfalt ist  immer auch Sortenvielfalt.
Wie sieht unsere Arbeit das Jahr über aus? Teilnahme mit Info-Ständen auf Pflanzenmärkten, z.B. im Botanischen Garten Marburg oder dem Tag der Regionen in Gießen. Saatgutgewinnung, interne Bildungsarbeit, Vorträge, Kooperation mit Umweltgruppen  stehen ebenfalls auf dem Programm.
Jede/r, die/der  interessiert ist, ist bei unseren Treffen willkommen. 


Möchten Sie in Ihrem Garten  mehr Sortenvielfalt haben?: Über uns können Sie sehr viele Sorten beziehen (allerdings kein F1-Hybrid-Saatgut). Die Saatgutliste des VEN enthält über 500 Arten, bei einigen teilweise die gleiche Menge an Sorten, z.B. bei Tomaten. Auch bei Bohnen sind es mehrere Hundert. Und wenn Sie keinen Garten haben? Sortenvielfalt und Saatguterhaltung geht auch auf dem Balkon!

Das Selbstverständnis des VEN

VEN bedeutet “ Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt“ . Da mir dieser Verein, in dem ich seit 1994 Mitglied bin, sehr wichtig ist, beziehe ich mich auf dieser Webseite immer wieder auf ihn.
Weitere Informationen über den VEN: https://www.nutzpflanzenvielfalt.de/

Saatgut ist Kulturgut: Diesen Slogan prägte der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt etwa um 2008. Welche Zielrichtung steht dahinter?
Gemeinsam bewahren wir die von unseren Vorfahren gezüchtete Sortenvielfalt, indem wir sie in unseren Gärten vermehren und dadurch weiterentwickeln. Wir geben Saatgut, Wissen und Fertigkeiten an die nächste Generation weiter. Auch wenn Saatgut und Bildungsveranstaltungen nicht kostenlos sind: Wir arbeiten überwiegend ehrenamtlich.

Wer die Saat hat, hat das Sagen: „Seit Beginn der Landwirtschaft wird selbstverständlich Saatgut von Pflanzen für die nächste Aussaat gewonnen. Geistige Eigentumsrechte und Hybridtechnik, die von der Saatgutindustrie genutzt werden, beschränken rechtlich und technisch die Saatgutvermehrung. Erst als Gegensatz zu Hybridpflanzen wurde ein Begriff für das Selbstverständliche  erforderlich: „Samenfest“ sind Sorten, die -wie seit jeher- sortenrein weiter vermehrt werden können.

Ökologisch notwendig: „Der größte Teil der Nutzpflanzensorten ist durch die Industrialisierung der Landwirtschaft verloren gegangen. Die für diese Landwirtschaft gezüchteten Sorten sind genetisch möglichst gleichförmig. Sie brauchen Agrarchemie, um die versprochene Leistung zu erbringen. Samenfeste Sorten mit ihrer genetischen Vielfalt sind dagegen in der Lage, auf sich ändernde Umweltbedingungen und Stress wie Trockenheit zu reagieren und sich anzupassen, sie kommen ohne Agrarchemie aus.

Lebendige regionale Erhaltung: „Unsere Mitglieder vermehren Sorten in ihren Gärten („in situ“), wo es sich an viele Orte und Bedingungen anpassen kann. Die Weitergabe von Wissen und Saatgut gehört dazu. Die ebenfalls nötige Erhaltung in Genbanken („ex situ“) hat ein anderes Ziel: Langfristige Keimfähigkeit von kleinen Saatgutproben.

Gemeinsame Stärke: „Die Erhaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit unserer Mitglieder vor Ort wird durch zentrale Funktionen unterstützt, wie eine gemeinsame Sortendatenbank, Seminare und Publikationen und unsere Webseite. Zwischen Saatgutanbietern und Interessierten besteht direkter Kontakt bei Veranstaltungen oder durch die gemeinsame Saatgutliste. Wir sind mit anderen ökologisch aktiven gesellschaftlichen Gruppen vernetzt und unsere politische Arbeit gehört zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt dazu.

Saatgutangebote regional

MAXI(maler) Saatguthüter

Die Abbildungen und Listen auf den folgenden Seiten zeigen Saatgut, das von Mitgliedern der VEN-Regionalgruppe Mittelhessen erzeugt wurde. Am Aufdruck unten kann man erkennen, aus welchem Ort es stammt. Verkauf über Facebook-Gruppen Biebertal und Initiative Gleiberger Land über PN.
Die Tüten werden gegen eine Erhalterspende von 2,00€ pro Tüte abgegeben, Blumensaatgut bis auf wenige Ausnahmen (Pflanze bildet wenig Samen oder eine Fremdbestäubung wurde verhütet) für 1,00€ pro Tüte.

Bitte bestellen Sie n i c h t über die Kommentarfunktion, sondern über meine Email-Adresse: eveline.renell@gmail.com

Das Angebot ist ein Ausschnitt. Die Liste dessen, was uns momentan zur Verfügung steht, wird regelmäßig aktualisiert.
Die Tüten werden gegen eine Erhalterspende von 2,00€ abgegeben, Blumensaatgut bis auf wenige Ausnahmen (Pflanze bildet wenig Samen oder eine Fremdbestäubung wurde verhütet) für 1,00€ pro Tüte.

Körnerbohnen sind wunderbar bunt und verschieden gezeichnet..
Siehe Saatgutangebote – Hülsenfrüchte

Alte Gartennotizen

Februar 2017

Im nächsten November muss ich unbedingt einen Eimer mit Aussaaterde füllen(schon im Kalender notiert) und im Januar hereinholen. Obwohl seit vier Tagen Temperaturen über 7°C herrschen, ist der große Sack noch durchgefroren. Für die frühen Aussaaten ist die Erde unbedingt nötig. Außerdem kommen Ende Dezember die bestellten Samen vom Samentausch der GDS, und da sind immer Kaltkeimer dabei, die sofort ins Töpfchen müssen.

Der Grünkohl auf dem Dach ist wieder aufgetaut.  Besonders gut steht der `Halbhoher Grüner Krauser´  von Bingenheimer Saatgut dar. Dass er nur wenig höher als Feldsalat ist, liegt aber nicht an der Sorte. Die Pflanzen wurden im Juni Opfer von irgendwelchen Nagern, die aber freundlicherweise das Herz unbehelligt ließen. Er trieb wieder aus, doch im August fanden die Kohlweißlingsraupen Geschmack an ihm. Nur wer Spitzenstoffe mag, wird die Pflanzen mit den angefressenen Blättern stehen lassen. Auch hier wurde das Herz verschont. Wie er jetzt aussieht, sieht man auf dem Foto. Die im Herbst sehr schöne rote `Lippische Palme´ sieht dagegen sehr leidend aus.

Die Wurzelgemüse sind noch nicht zu ernten, der immer noch gefrorene Boden hält sie fest. Aber jetzt ist schon zu erkennen, wer  den Frost überlebt hat und wer zu Matsch wurde. Die Rote Bete `Weiße´, `Crapaudine´ und `Rote Kugel´ sind gut durchgekommen, auch der Mangold berappelt sich gerade.  Der gelblaubige Feldsalat sieht krank aus, `Fellingshäuser Fuchs´  steht gut da.

Die Lust an der Suppe

Die Lust an der Suppe.
Bei uns kommt fast täglich eine Suppe auf den Mittagstisch. Das größere Essen haben wir auf den frühen Abend verschoben. So wird man mitten am Tag nicht müde; und die Arbeit muss nicht lange unterbrochen werden. Ist sie dagegen getan, so wirkt das Kochen ausgesprochen entspannend.

Maximal ½ l Suppe für uns zwei. Was ist denn an Gemüsen vorhanden? Eigentlich immer da sind Zwiebeln, Kartoffeln, Möhren, Lauch usw. Was gibt es an Resten? Z.B. ein bisschen Soße, ein paar Erbsen aus der Dose, ein einsames Kohlpflänzchen  vom Dachgemüse. Es macht Spaß, auch im Februar Gemüse im eigenen Garten zu ernten. Durch die zufällige Kombination wird das Kochen kreativ,  und ich empfinde es überhaupt nicht als Belastung. Demnächst werde ich verschiedene Rote Bete verwenden. Den Frost haben alle drei Sorten `Weiße´, `Detroit 2´ und `Forono´  ganz problemlos überstanden. Petersilie, Grünkohl  und Winterlauch natürlich auch, aber selbst der Knollensellerie steht ganz gut da. Hierzu ist zu sagen, dass wir in diesem Winter bisher eine zwar ungewohnt lange, dafür aber durchgehende Frostperiode hatten. Die Gemüse waren also mit ihren natürlich angelegten Frostschutzmitteln ganz gut gesichert. Sobald es taut, wird der Frostschutz abgebaut – und steht dann beim nächsten Frost nichts mehr zur Verfügung. Es ist also sicherer, die Rüben jetzt alle zu ernten, bevor sie zu Matsch werden.

Moose – nicht nur im Garten

Bemooste Terrasse

Momentan ist unsere Terrasse ganz grün vom Moos (vermutlich Brachythecium salebrosum – Glattstieliges Kurzbüchsenmoos – welch ein schöner Name!). Nichts für Sauberkeitsfanatiker. Uns dagegen gefällt es. Vor allem wenn es am Nachmittag von der tiefstehenden Sonne beschienen wird und wir es von der warmen Diele aus genießen können, ist es ein echter Hingucker. Das Grün leuchtet in vielen warmen Tönen. Da wir momentan nicht sehr oft auf der Terrasse sind, besteht  keine Rutschgefahr. Das ist nur an regenreichen Sommertagen der Fall; und auch dann meidet man diese Fläche. In Trockenperioden ist das Moos nur zu ahnen. Einen kleinen Eindruck vom Nutzen der Moose vermitteln einige  Auszüge  aus „Moosflora der Schweiz“, Homepage vom Botanischen Institut der Universität Zürich:

  • Bioindikatoren  Das Vorkommen einer Moosart erlaubt Rückschlüsse auf die ökologischen Bedingungen am Wuchsort. So können Moose direkt als Anzeiger für bestimmte Umweltbedingungen verwendet werden. Indirekt werden sie für die Ermittlung der Schwermetallbelastung in der Schweiz verwendet. Sie eignen sich hierzu besonders gut, weil sie alle Stoffe, die im Niederschlag enthalten sind, ungefiltert aufnehmen und speichern. Durch die Messung des Schwermetallgehalts im Moos lassen sich genaue Aussagen über die Schwermetallbelastung am Wuchsort machen.
  • Lebensraum für Kleinstlebewesen  In Moospolstern leben unzählige kleine Tierchen wie Milben, Springschwänze, Bärtierchen, Spinnen, Schnakenlarven, Käfer und viele andere. In einem Quadratmeter Moos wurden bis zu 60‘000 Tierchen gezählt, eine Kleinstadt auf kleinstem Raum.
  • Baumaterial  Nicht nur Vögel verwenden Moose für den Bau ihrer Nester, auch Menschen nutzen Moose als Füllmaterial für Wandfugen, Matratzen, Schuhsohlen, Windeln und vieles mehr.

Zum Lebensraum möchte ich ergänzen: „So wenige Vögel am Futterplatz?“ Vögel müssen sehr ökonomisch mit ihren Energiereserven umgehen. Sie brauchen das bis zu Dreifache ihres Körpergewichtes an Nahrung. Ist die Nahrungsquelle weiter entfernt von ihrem Unterschlupf, so ist der Aufwand für den Hin- und Rückflug vermutlich höher als der Nutzen. Finden die Vögel dagegen im Garten genügend Verstecke und später Nistmöglichkeiten, dann kommen  auch mehr an den Futterplatz.  Tierische Nahrung ist knapp. In den dünnen Moospolstern finden die Tiere aber selbst im Winter noch einige Leckerbissen.

Winterlinge

Wenige alte Pflanzen und Sämlinge aus mehreren Jahren
Heller Winterling: Sorte `Schwefelglanz´

Auf Winterlinge möchte ich auf keinen Fall verzichten. Sie sind tatsächlich die ersten und fangen mit ihren gelben Köpfchen die Sonne ein. Phänologisch herrschte in diesem Jahr tatsächlich noch Winter, denn die Haselkätzchen blühten erst 2 Wochen nach den ersten Winterlingen. Die männliche Blüte (Kätzchen) der Haseln zeigen, wann  wettermäßig der Vorfrühling beginnt.
Aus einer einzigen Knolle können im Laufe der Jahre bis zu 40 Blütenstiele sprießen. Man versetzt die Pflanzen am besten jetzt oder wenn sie gerade abgeblüht sind. Die Knollen, die Sie im Herbst kaufen, sind wenig erfolgreich. Von 10 Knöllchen gedeihen maximal 2. Bei Ware aus einem guten Blumenzwiebel-Versandhandel hat man etwas mehr Erfolg, weil die Blumen bis zum Versenden unter optimalen Bedingungen aufbewahrt werden. Im (…)Markt gekaufte sind ausgetrocknet. Lassen sie sich ein Töpfchen mit Winterlingen schenken oder kaufen sie eines auf den vielen Gartenmärkten, die im März beginnen.

Im Februar  findet man auch noch die besten Standorte. Das kann ruhig zwischen Stauden sein, die jetzt noch nicht in Erscheinung treten, z. B. Hosta oder Narzissen. Winterlinge brauchen  im Herbst  eine Laubdecke, genauso übrigens wie die später blühenden Buschwindröschen.  Beide miteinander verwandte Arten (Hahnenfußgewächse) sind so genannte Mullbodenbewohner. Sie fühlen sich nicht wohl in Gärten, in denen der Ordnung halber jedes Laubblättchen (und damit wertvoller Humusbildner) abgekratzt wird. Wer möchte schon den Winter ohne warme Kleidung oder warme Decke in eisiger Kälte verbringen?

Wenn sie die Winterlinge auch so mögen wie ich, sollten Sie sie aussäen. Erstens bedecken sie auf diese Weise billig eine größere Fläche. Zum anderen wird man nach einigen Jahren merken, dass  sich unterschiedliche Klone gebildet haben mit abweichender Blütezeit. Ich spreche hier erstmal von Eranthis hyemalis. In jedem Fall später blühend ist Eranthis cilicia mit zarteren Blättern. Eranthis pinnatifida blüht cremeweiß. Aber darüber hinaus gibt es auch einige Sorten wie z.B. Schwefelglanz oder Grünling, im Garten unserer Freundin Ruth Treff entstanden.

Wie schreibt Christian Seiffert? Am Anfang Geduld, später Panik. Mit den Winterlingen sei es wie mit der berühmten Geschichte von den  Weizenkörnern auf dem Schachbrett.