Nutzpflanzen

Das ist ein weites Feld, um es mit Theodor Fontane zu sagen. Darum zähle ich einfach nur auf, auf welche vielfältige Weise Pflanzen genutzt werden. Die Liste lässt sich durchaus erweitern.

  • als Nahrungsmittel
  • als Baumaterial
  • als Bekleidung
  • als Medikament
  • als Farbstofflieferanten
  • als Energielieferanten
  • als Viehfutter
  • als Rauschmittel

Beiträge:
– Manche wollen hoch hinaus Etagenzwiebeln
– sitzen unterm Hollerbusch Holunder

Pflanzen als Nahrungsmittel: Das ist sicher die älteste Verwendung. Dabei wurde nach Möglichkeit alles genutzt, von der Wurzel bis zur Frucht. Heute sind wir viel einseitiger geworden. Bei den meisten essbaren Pflanzen werden – zumindest in den Industrieländern – saftige Früchte und Blätter verwendet mit geringem Energiegehalt. Auch dies ist ein Grund für die Verarmung an Pflanzenarten und Sorten.

Pflanzen als Baumaterial: Deren Nutzung dürfte bald danach gekommen sein, Als Schutz gegen Regen und Schnee bauten unsere Vorfahren provisorische Dächer aus Schilf oder Hütten oder später Holzhäuser und verwendeten Stroh in Lehmwänden. Das ökologische Bauen greift zum Teil auf Pflanzen zurück.

Pflanzen als Bekleidung: Auch heute noch verwendet man Pflanzenfasern, um Gewebe aus Baumwolle, Leinen, Viscose, aus Jute oder Sisal herzustellen. Der Begriff Textilien wird abgeleitet von Textor = Weber und Tilia = Linde.

Pflanzen als Medikament: Versuch und Irrtum, Beobachtung von Tieren. Auf dieser Grundlage beruhen die ersten Anwendungen der Pflanzen gegen Krankheiten. Ein alter Brauch ist die Kräuterweihe am 15. August. Die Pharmazeutische Industrie hat die Pflanzen nicht verdrängt; Sie versucht aber, sie selber auszunutzen. So wird z.B. im Tropischen Regenwald intensiv nach Pflanzen (und Tieren) mit Heilwirkung gesucht.

Pflanzen zum Färben: Als älteste Nutzung gilt die Körperbemalung. Womit verfärbt man beim Obst- und Gemüseputzen die Hände? Diese Farben dann auf die Häute von Tieren zu übertragen, lag nahe. Über die heutige wirtschaftliche Bedeutung von Färbepflanzen konnte ich nichts finden. Wer hilft mir?

Pflanzen als Energielieferanten: Nachdem man das Feuer entdeckt hatte, wurde Holz zum Wärmen und Kochen genutzt. Brennende Kien(=Kiefer)späne waren noch im 19. Jahrhundert ein Ersatz für die teuren Wachskerzen. Und heute? Die Maislandschaften Niedersachsens und die gesamt 3 Millionen Hektar Maisanbaufläche in Deutschland sprechen für sich – und ihre Landschaften zerstörende Energie.

Pflanzen als Viehfutter: Bis vor wenigen Jahrhunderten ernährte man die Tiere, indem man sie weiden ließ. Später dienten Laub (=Laube), Heu, Rüben, schlechte Kartoffeln im Winter als Futter. „Jeder Hof verträgt nur so viele Tiere, wie er mit eigenem Futter ernähren kann“. Riesen-Tierfarmen mit Schnellmast kippten diesen Grundsatz. Gute Lebensmittel werden für die Tiermast statt für hungernde Menschen verwendet und wertvolle Lebensräume vor allem in den Tropen durch deren Anbau zerstört. Aber: Soja wächst auch in Deutschland; und sonstige Hülsenfrüchte sind in bestimmten Kombinationen sehr gutes Tierfutter.

Pflanzen als Rauschmittel: Obst und Getreidebreie gären. Wegwerfen konnte man sich nicht leisten. Aber das beschwipste Gefühl nach deren Verzehr initiierte die Verbesserung dieses Prozesses und in Folge Bier-, Wein-, Schnapsherstellung – weltweit mit den regional vorkommenden Pflanzen. – Da war doch noch mehr? Eine wichtige Pflanze ist der Tabak. Sein Anbau unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Die Pflanzen die dem BtMG unterliegen, werden in unserem Saatgutangebot nicht aufgeführt.

Galerie wird fortgesetzt – Foto mit M. Gastl: Screenshot während seines Online-Vortrages

Beim Erhalt der Sortenvielfalt kann jeder mitmachen

Betrübt Sie auch das geringe Sortiment an Obst und Gemüse in den Supermärkten? Das können Sie persönlich ändern.

Sortiment kommt von Sorten. Bei Schokolade ist dieser Begriff schon lange vertraut. Ein paar Apfelsorten kann fast jeder nennen. Biebertaler, die offenen Sinnes über die heimischen Feldwege wanderten, können sich im Herbst an besonders vielen Apfel- und Birnensorten erfreuen. Oft ist es ein optischer Genuss, aber auch Nase und Mund kommen auf ihre Kosten. Die ursprünglichen Obstbaum-Pflanzungen gehen bereits auf den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, als auf fürstlichen Erlass überall Obstbäume gepflanzt werden mussten, um die Ernährungssituation der Bevölkerung zu verbessern.

Wie viele Gemüsesorten kennen Sie? Einige Salate, ein paar Kartoffelsorten, rote und gelbe Tomaten? Kennen Sie `Grüner Stern´, `Posthörnchen´, roten Spitzkohl `Vysocke´, `Spatzeneier´, `Goldball´ oder `Gärtners Wonne´? Wussten Sie, dass die Universität Gießen in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine eigene Sojabohnensorte hatte? Sojaanbau in Deutschland?  Ist möglich!
Etwa 90% aller Sorten, die man vor 100 Jahren im Anbau hatte, sind inzwischen vom Markt verschwunden.  Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur. Unter anderem trägt seit Jahrzehnten das wirtschaftliche Interesse weltweit agierender Saatgutunternehmen sehr zur Verringerung der Vielfalt bei. 

Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN e.V.) vereinigt Menschen, die auf vielfältige Weise gegen diesen Verlust ansteuern möchten. Seit 2011 gibt es eine VEN-Regionalgruppe Mittelhessen. Die Mitglieder wollen sich in der Region besser kennen lernen, Sie wollen gemeinsam etwas tun. Im sommer treffen wir uns oft in verschiedenen Mitgliedergärten. Es zeigte sich deutlich:  G-Artenvielfalt ist  immer auch Sortenvielfalt.
Wie sieht unsere Arbeit das Jahr über aus? Teilnahme mit Info-Ständen auf Pflanzenmärkten, z.B. im Botanischen Garten Marburg oder dem Tag der Regionen in Gießen. Saatgutgewinnung, interne Bildungsarbeit, Vorträge, Kooperation mit Umweltgruppen  stehen ebenfalls auf dem Programm.
Jede/r, die/der  interessiert ist, ist bei unseren Treffen willkommen. 


Möchten Sie in Ihrem Garten  mehr Sortenvielfalt haben?: Über uns können Sie sehr viele Sorten beziehen (allerdings kein F1-Hybrid-Saatgut). Die Saatgutliste des VEN enthält über 500 Arten, bei einigen teilweise die gleiche Menge an Sorten, z.B. bei Tomaten. Auch bei Bohnen sind es mehrere Hundert. Und wenn Sie keinen Garten haben? Sortenvielfalt und Saatguterhaltung geht auch auf dem Balkon!

Das Selbstverständnis des VEN

VEN bedeutet “ Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt“ . Da mir dieser Verein, in dem ich seit 1994 Mitglied bin, sehr wichtig ist, beziehe ich mich auf dieser Webseite immer wieder auf ihn.
Weitere Informationen über den VEN: https://www.nutzpflanzenvielfalt.de/

Saatgut ist Kulturgut: Diesen Slogan prägte der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt etwa um 2008. Welche Zielrichtung steht dahinter?
Gemeinsam bewahren wir die von unseren Vorfahren gezüchtete Sortenvielfalt, indem wir sie in unseren Gärten vermehren und dadurch weiterentwickeln. Wir geben Saatgut, Wissen und Fertigkeiten an die nächste Generation weiter. Auch wenn Saatgut und Bildungsveranstaltungen nicht kostenlos sind: Wir arbeiten überwiegend ehrenamtlich.

Wer die Saat hat, hat das Sagen: „Seit Beginn der Landwirtschaft wird selbstverständlich Saatgut von Pflanzen für die nächste Aussaat gewonnen. Geistige Eigentumsrechte und Hybridtechnik, die von der Saatgutindustrie genutzt werden, beschränken rechtlich und technisch die Saatgutvermehrung. Erst als Gegensatz zu Hybridpflanzen wurde ein Begriff für das Selbstverständliche  erforderlich: „Samenfest“ sind Sorten, die -wie seit jeher- sortenrein weiter vermehrt werden können.

Ökologisch notwendig: „Der größte Teil der Nutzpflanzensorten ist durch die Industrialisierung der Landwirtschaft verloren gegangen. Die für diese Landwirtschaft gezüchteten Sorten sind genetisch möglichst gleichförmig. Sie brauchen Agrarchemie, um die versprochene Leistung zu erbringen. Samenfeste Sorten mit ihrer genetischen Vielfalt sind dagegen in der Lage, auf sich ändernde Umweltbedingungen und Stress wie Trockenheit zu reagieren und sich anzupassen, sie kommen ohne Agrarchemie aus.

Lebendige regionale Erhaltung: „Unsere Mitglieder vermehren Sorten in ihren Gärten („in situ“), wo es sich an viele Orte und Bedingungen anpassen kann. Die Weitergabe von Wissen und Saatgut gehört dazu. Die ebenfalls nötige Erhaltung in Genbanken („ex situ“) hat ein anderes Ziel: Langfristige Keimfähigkeit von kleinen Saatgutproben.

Gemeinsame Stärke: „Die Erhaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit unserer Mitglieder vor Ort wird durch zentrale Funktionen unterstützt, wie eine gemeinsame Sortendatenbank, Seminare und Publikationen und unsere Webseite. Zwischen Saatgutanbietern und Interessierten besteht direkter Kontakt bei Veranstaltungen oder durch die gemeinsame Saatgutliste. Wir sind mit anderen ökologisch aktiven gesellschaftlichen Gruppen vernetzt und unsere politische Arbeit gehört zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt dazu.

Februar 2021 Treckerdemos- und was dahinter steckt

Bundesregierung will mit neuem Aktionsprogramm gegen das Insektensterben vorgehen

  • Pflanzenschutz-Anwendungsgesetz und Bundesnaturschutzgesetz sollen geändert werden
    • durch Verbot von Schädlingsbekämpfungsmitteln (Biozide) in Naturschutzgebieten, Nationalparks und geschützten Lebensräumen (Biotopschutz für Streuobstwiesen, artenreiches Grünland und Trockenmauern)
    • durch Verbot von Unkrautbekämpfungsmitteln in Grünland und Wald obiger Schutzgebiete
    • Einsatz von Pflanzengiften (Herbizide) im Mindestabstand von 10 m von Gewässern
  • Bundesregierung sieht keine Gefahr für Höfesterben, denn es gibt Ausnahmen für
    • Vogelschutzgebiete
    • Sonderkulturen wie Obst und Gemüse, Wein und Saatgutzucht
  • Wird Glyphosat*) jetzt verboten? Noch nicht, aber
    • ja: In Kleingärten, auf Sportplätzen, oder in Parks
    • nein: auf erosionsgefährdeten Böden darf es weiterhin eingesetzt werden
  • Wann wird Glyphosat endgültig verboten? ab dem 1. Januar 2024 (Ablauf der EU-Genehmigung)
  • Ist der Kompromiss gültig? Nein, der Bundestag könnte das Naturschutzgesetz noch verändern. Der Bundesrat muss dieser Verordnung noch zustimmen.

*) Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist die biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitband- bzw. Totalherbizide und wurde seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre von Monsanto als Wirkstoff unter dem Namen Roundup zur Unkrautbekämpfung auf den Markt gebracht. Weltweit ist es seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Glyphosatprodukte werden von mehr als 40 Herstellern vertrieben. Es wirkt nicht-selektiv gegen Pflanzen, dies bedeutet, dass alle damit behandelten Pflanzen absterben. Ausnahmen bilden Nutzpflanzen, die gentechnisch so verändert worden sind, dass sie eine Herbizidresistenz gegenüber Glyphosat besitzen Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat

Internationales Jahr für Obst und Gemüse 2021

eine Information des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2021 zum Internationalen Jahr für Obst und Gemüse ausgerufen. Die Entscheidung geht auf einen Vorschlag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO zurück.

Alle youtube-Videos, die dem einleitenden Film folgen, sind Werbung und haben nichts mit der UNO zu tun. bisher konnte ich sie nicht löschen.

Übersetzung: des einleitenden Films

Wir sind reif, köstlich, üppig, nahrhaft
in allen Größen und Formen, Farben und Schattierungen
roh oder gekocht, süß oder bitter,
weich, knackig, duftend, scharf.
Alle sind wir einzigartig und besonders.
Voll mit Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen;
Geschichten, Kultur, Traditionen.
Wir füllen nicht nur deinen Teller,
wir sorgen auch für deine Geschichten und Erinnerungen.
Lang und kurz, schlank und dick,
manchmal unansehnlich oder missgestaltet
vergessen oder vernachlässigt,
Aber auf keinen Fall hässlich,
was immer auch die Leute sagen.
weil wir das sind, was dich auf Touren bringt.
Wir sind Obst und Gemüse
und einfach schön.






Webinar: Wer die Saat hat, hat das Sagen

VEN-Nord: Webinar zur Saatgutvielfalt in Kooperation mit dem Frauenwerk der Nordkirche

Zum Webinar:
Der Umgang mit unserem Saatgut wirft viele Fragen auf!
Von den politischen Hintergründen, über Patent- und Markenrecht bis hin zur Erhaltungszucht von „alten Gemüsesorten“ gibt es viele Themenbereiche, bei denen Hintergrundwissen gefragt ist.

Kathrin Reckling-Freitag von der Regionalgruppe Nord des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt wird in diesem Webinar informieren, praktische Tipps geben und mit den Teilnehmer*innen über ganz konkrete Schritte auf dem Weg zu einer souveräneren Saatgutvielfalt diskutieren.

Themen werden sein:
-> „zwischen Gesetz + Freiheit“: Sortenschutz, Patente und Markenschutz
-> „biologische Vielfalt contra Sortenerhaltung“: Hybridsaatgut, Vererbungsbiologie
-> „alte Sorten“: Samenfestigkeit, Erhaltungszucht und Saatgutgewinnung

Anmeldungen sind möglich unter: https://www.klima-erden.de/aktuell/wer-die-saat-hat/