Wertvolle Lebensräume, Teil 3: Die Blumenwiesen

Ein typischer Blühstreifen, nicht am Feldrand, sondern an einer Straße in Wetzlar
Zu sehen sind Statizen, Hundskamille, Roter Lein, Bechermalven, Ringelblumen, Rutenhirse, Zinnien u,a.

Das obige Foto zeigt, was derzeit meistens unter „Blumenwiese“ verstanden wird. Tatsächlich ist es ein Streifen mit einjährigen Sommerblumen, die auf eine nackte Beetfläche gesät wurden. Wenn es sich um ungefüllte Blüten handelt, wie es für Insekten sinnvoll ist, hält die Blütenpracht nur wenige Monate. Bei vielen von ihnen handelt es sich um so genannte Ackerbegleitkräuter. Diese keimen im Herbst mit dem Wintergetreide, müssen aber vor der Getreidereife blühen und und Samen bilden.

Hier wurden Klatschmohn und Kornblumen auf eine Ackerfläche gesät. In wenigen Wochen ist alle Schönheit abgestorben.


Für eine Wiese sehr wesentlich sind dauerhafte Gräser und Kräuter. Die Arten hängen davon ab, wie feucht oder trocken, warm oder kalt und sonnig oder schattig die Wiese liegt. Auf den meisten gedüngten Wiesen kommen vor Gänseblümchen, Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, oft Wiesenkerbel, und Schafgarbe. Während die ersten vier im April-Juni blühen, kann die Schafgarbe bis in den November ihre weißen Blütenköpfe zeigen. Je magerer der Boden ist, desto mehr Lücken entstehen im Gras und umso mehr bunte Blütenpflanzen können sich in den Zwischenräumen ansiedeln. Eine Reihe von ihnen bildet mit den Gräsern eine Wurzelsymbiose (Mykorrhiza), d.h. bei ihnen geht es nicht ohne Gras.

Eine dauerhafte Blumenwiese kann man auf verschiedene Weisen anlegen:
1. Vorhandener Rasen: Von einer Fläche, um die man gut mit dem Rasenmäher herumfahren kann, werden Grassoden abgehoben (umgedreht auf einander gestapelt gibt das nach einigen Monaten gute Blumenerde). Hier hinein werden Starterstauden*1) gepflanzt. Bei Aussaat Fläche 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, die bis dahin aufgelaufenen Unkräuter ganz flach abschaben*2), erst dann säen

2. Beet als Blumenwiese anlegen: Nicht umgraben! Gute Erde abnehmen (für Gemüse, Prachtstauden), etwas Sand oder Lavagranulat leicht einharken. 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, aufgelaufene Unkräuter abschaben*2). Jetzt erst säen oder pflanzen.

Sollte die Fläche viele Wurzelunkräuter (Quecke, Ackerwinde, Giersch) enthalten, kann man einen anderen Platz wählen oder sie integrieren. Quecke fühlt sich allerdings auf Rohböden wohl. Hier ist der andere Platz vorzuziehen.

Geeignete Saatgutmischungen kauft man besser im Fachhandel. Ich kann hier die Firma Gewiehs empfehlen, bei der ich bereits seit 1979 Blumenzwiebeln kaufe. Gewiehs Blumenzwiebeln für Insekten. Angeboten werden Mischungen für verschiedene Standorte sowie Saatgut von ein- und Zweijährigen und Stauden. Online bestellen oder Katalog anfordern!
Beispiele für Samenmischungen von mehrjährigen Blumenwiesen:

Unterschieden wird nach dem Anteil an ein- und zweijährigen Pflanzen sowie Stauden, außerdem nach der gewünschten Höhe . Auf einem kleinen Rasenstück sehen Pflanzen bis maximal 60cm Höhe besser aus. Sie vertragen auch leichte Schattierung. Höhere Pflanzen, auch mit Sonnenblumen, besser bei großen Flächen in voller Sonne, damit sie nicht umkippen. Die einjährigen Pflanzen geben im ersten Jahr schon ein buntes Bild, verschwinden aber, wenn die Zweijährigen hinzu kommen (siehe Fotos unten, beide aus Krumbach) und die sich langsamer entwickelnden Stauden größer sind.

Gewöhnlicher Natternkopf
Schwarze Königskerze

Statt eine Samenmischung zu kaufen, kann man jetzt noch reife = trockene Blütenstände verschiedener Pflanzen vom Spaziergang mitbringen (am Sammelort kopfüber in eine Papiertüte stecken). Der Samen soll sehr dünn ausgesät werden, dazu mischt man ihn am besten mit reichlich Sand. Anschließend wird die Fläche wie beim Rasensäen gewalzt (oder mit Brettern and den Schuhen platt getreten). Aussat vor Regen, gießen nicht nötig.

Es gibt auch Blumenwiesen für halbschattige Plätze und solche für sehr verdichtete, schotterige Böden, z.B. auf -ehemaligen- Parkplatzen und Zufahrten. Davon später.

zu *1) Starterstauden: Dazu gehören Margeriten, Kissenprimeln, Schlüsselblumen, Moschusmalven, Schnittlauch, Blutstorchschnabel, Labkräuter, Wiesensalbei, Schafgarbe, Wiesenflockenblume, Glockenblumen, Aber auch Blumenzwiebeln und -knollen gehören zu den Stauden. Es fängt an mit Winterling, Schneeglöckchen über Krokusse, Schneeglanz, Anemonen, Narzissen, Wildtulpen, Traubenhyazinthen und natürlich alle Arten von Allium = Zierlauche. Die Starterstauden können sich gegenüber dem Gras erstmal besser durchsetzen als Samen, sie werden später aber ihre Samen auch verstreuen.

*2) abschaben statt hacken. Unkrautsamensind sehr überlebensfähig. Sie ruhen bis zu 30 Jahren und mehr im Boden. Kommen sie an die Oberfläche, so löst das Licht die Keimung aus. Wenn man gekeimte Unkräuter tief abhackt, befördert man erneute Samen an die Oberfläche.

Alle Fotos Eveline Renell

Fledermäuse lieben weiß?

Weiße Blüten leuchten im Dunkeln

Nein, das ist natürlich so nicht richtig. Manche Fledermausarten können zwar ein wenig schwarz-weiß sehen, aber im Wesentlichen orientieren sie sich mit ihren Rufen und ihren Ohren im Ultraschallbereich. Da sie nachts jagen, muss es auch viele nachaktive Beutetiere geben. Dazu gehören in unseren Breiten verschiedene Schmetterlinge, vor allem Schwärmer, Eulenfalter und Spanner. Alle mögen süßes Obst oder Nektar. Der ist häufig mit Duft verbunden und lockt die Schmetterlinge an. Zugleich orientieren sie sich an weißen Blüten oder auch gelben und rosafarbenen, die für Insekten sichtbares UV-Licht ausstrahlen. Wenn Sie also etwas für die Fledermäuse tun möchten, dann genügt es meistens schon, einen Balkonkasten mit den Pflanzen zu bestücken, die von nachtaktiven Insekten besucht werden.

Pflanzen für Spätheimkehrer und Nachtschwärmer:
Nachtkerzen (Oenothera biennis) – Weiße und Rote Lichtnelke (Silene alba/dioica) – Nachtviole (Hesperis matronalis) – Stechapfel (Datura stramonium) – Wegwarte (Cichorium intybus) – Echtes Seifenkraut (Saponaria officinalis) – Waldgeißblatt (Lonicera periclymenum) und Hundsrose (Rosa canina) – Weißer Phlox (Phlox paniculata), Boretsch (Borago officinalis).

Wer nur einen Platz am Fensterbrett, aber auch Spaß am Kochen hat, der lockt mit Küchenkräutern wie Majoran, Minze, Melisse, Boretsch, Salbei, Schnittlauch und Thymian im Blumenkasten die Falter für die Fledermäuse an.

Das mit den Spätheimkehrern ist wörtlich gemeint. Falls Sie immer erst spät von der Arbeit kommen, sollten Sie die oben genannten Pflanzen im Garten ansiedeln. Dann haben Sie selber auch nach 22.00 Uhr noch Freude an Ihrem Garten – mit hellen Farben und viel Duft.

Fotos Eveline Renell (außer Waldgeißblatt)

Wertvolle Lebensräume – 2. Teil: Der Garten

Erdkröte (wikipedia)
Spannerraupe (wikipedia)

Im Artikel vom 1. Juli im Gießener Anzeiger werden die Tipps der Stadt Gießen zur Schaffung von Lebensräumen im Garten veröffentlicht. Im zweiten Teil möchte ich die Empfehlungen für Gärten kommentieren. Im Artikel geht man davon aus, dass alle Leute Wildtiere im Garten haben möchten. Ich stelle hier mal die Frage, ob das tatsächlich so ist. Wer es sich – noch – nicht vorstellen kann, dass Igel, Ringelnattern, Zauneidechsen, Erdkröten, und natürlich ganz viele Insektenarten mit ihm den Garten teilen, der kann hier mit dem Lesen aufhören.

Wer gerne Vögel im Garten hat und bisher glaubt, durch Füttern alleine könne er sie anziehen, der irrt. Alle Vögel sind auf zusagende Nistplätze angewiesen. Mit einem Nistkasten ist nur den wenigsten geholfen. Unsere Mönchsgrasmücken zum Beispiel nisten in 1m Höhe in einem nicht beschnittenen Gebüsch. Ganz viele Vögel sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Insekten aber leben in ganz unterschiedlichen Bereichen eines Gartens. Je vielseitiger der Garten, desto vielseitiger die Insektenwelt.

Weidenskulptur
Baum-Stelen
Altbau-Wohnungen


Lassen Sie einem alten Baum die abgestorbenen Äste. Siebenschläfer, Haselmäuse, Fledermäuse brauchen sie. Bei den Vögeln sind vor allem die Spechtartigen darauf angewiesen. Stapeln Sie heruntergefallene Äste zu einem Totholzhaufen. Legen Sie einen Komposthaufen an. Darin wimmelt es von Futter für die Vögel, und dieses „Futter“ ist gleichzeitig an der Zersetzung der Gartenabfälle beteiligt. An heißen Sommertagen sind auch Vögel durstig, also mehrere Katzensichere Tränken aufstellen – dann kommen auch Wildbienen, Schwebfliegen, Libellen zu Besuch. Pflanzen Sie im April ein paar Möhren, Petersilienwurzeln oder Pastinaken ins Blumenbeet. Das sieht schön aus und ist wie alle Doldenblütler ein Tummelplatz für Fliegen, Schwebfliegen, Käfer und manch einen Schmetterling. Das Foto unten zeigt den wildwachsenden Wiesen-Bärenklau. Bitte nicht verwechseln mit dem invasiven Riesen-Bärenklau oder Herkulesstaude. Der Wiesen-Bärenklau ist in unseren Garten eingewandert. Zu sehen sind viele Schwebfliegenarten, Fliegen und zwei Bockkäfer. Sie können hier Nektar tanken. Aus wikipedia: Diese Pflanzenart wird von der auf Doldenblütler spezialisierten Bärenklau-Sandbiene (Andrena rosae) als Pollenquelle genutzt.[2] Wichtige Bestäuber sind verschiedene Mücken, Fliegen, Hautflügler, Schmetterlinge, Fransenflügler und Käfer, z. B. der bunte Bockkäfer. Der Wiesen-Bärenklau ist die Raupen-Futterpflanze für die Schmetterlingsarten Silberpunkt-Höckereule, Weiderich-Blütenspanner, Bärenklau-Rauhaareule, Mondfleckiger Blütenspanner, Haarstrang-Blütenspanner, Brustwurz-Blütenspanner, Bärenklau-Blütenspanner und Purpurglanzeule.*)

Doldenblüte, hier der Wiesen-Bärenklau.

Denken sie bei der Neu- oder Umgestaltung Ihres Gartens daran, dass Sie auch selber etwas zum Naschen haben. Früh blühend! und tragend sind alle Arten von Beerensträuchern. Die Amseln ernten teilweise alle Roten Johannisbeeren ab, aber an die weißen, rosafarbenen, schwarzen oder sogar grünen gehen sie nicht. Richtig gepflanzt gibt es Nahrung für Mensch und Tier.

Champagnerfarbene Johannisbeere, Foto Manfred Hans


Diese Vielfalt ist über einige Spezialgärtnereien zu beziehen: .gartenrot.com/beerenstraeucher/; .manfredhans.de/Pflanzenvorbestellung/Johannis-Stachelbeeren-
.baumschule-horstmann.de/schwarze-johannisbeeren-59b.html
Überrascht bin ich über die Vielfalt an Beerenobst, die von der Baumschule Horstmann angeboten wird. allerdings lohnt Horstmann immer, wenn man auf der Suche nach speziellen Pflanzen ist.

Wer den Garten neu anlegt, sollte den „Hausbaum“ nicht vergessen. Falls das Gelände groß und breit ist, ist ein Walnussbaum ein toller Schattenspender – ab ca. 10. Standjahr. Er garantiert Kühle und Mückenfreiheit. Bitte Grenzabstände einhalten ($38 Hessisches Nachbarschaftsrecht, bei der Walnuss 4m). Bei kleinen Gärten würde ich eine Eberesche oder einen Wildapfel auswählen (Abstand 1,5-2m). Ist auch essbar, aber es fallen einem nur Mini-Äpfel auf den Kaffeetisch. Kleine Tiere ernten die ganze Frucht, und Sie müssen sich nicht über angeknabbertes Obst ärgern (In anderen Bundesländern können größere Abstände gelten).
Sträucher wie Holunder, Hartriegel, Faulbaum, Liguster oder Wilder Wein sind tolle Gewächse. Gibt es aber schöne helle Terrassen in der Nähe, ist mit ihnen der Ärger vorprogrammiert, denn manche Vögel setzen nach dem Verzehr der Früchte violetten, stark färbenden Kot ab. Eberesche, Weißdorn, Pfaffenhütchen oder Schneebeere färben nicht.

Und keine Blumenwiesen? Das gibt demnächst einen eigenen Artikel.

*) wikipedia.org Wiesen-Bärenklau
Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Eveline Renell


Wildkräuter – Was man in Fugen entdeckt

Feinstrahl – Erigeron (neuerdings Conyza) canadense ist mehr als Unkraut

Ein Gastbeitrag von Tim Mattern aus Biebertal am 24. 7. 21 im Biebertaler Bilderbogen macht auf die Hashtags #krautschau und #mehralsunkraut aufmerksam– sie führen zu Artikeln und Fotos im Internet; auch durch die sozialen Netzwerke geistern sie.
Das erste Foto zeigt das Kanadische Berufkraut. Es ist eine einjährige Verwandte vieler anderer Feinstrahlastern, auch Berufkräuter genannt. Obwohl in Europa nur 9 der etwa 400 Arten der Nordhalbkugel vorkommen. wurde die Pflanze in den Rang erhoben, gegen Verhexung, d. h. gegen das „Berufen“ zu schützen. Im 16. Jahrhundert wurden sogar Säuglinge gegen den Bösen Blick in Berufkraut-Tee gebadet. Diese und andere geglaubte Wirkungen waren jedoch „Fake News“. Der Botanische Garten Gütersloh hat eine große Sammlung von Feinstrahlastern; und auch ein Blick in die drei Gärtnereien Heuchelheims lohnt sich. Die Cultivare sind sehr schöne Gartenstauden, die mit 50-60cm Höhe und einer Blütezeit von Juni bis August den im Mai mit Aster alpinus beginnenden Asternreigen fortsetzen. Nach ihnen folgen die bekanntesten, die verschiedenen im Herbst blühenden Asternarten und -Sorten.
Erigeron canadense kann auch gut im Blumenbeet stehen. Bei nährstoffreichem Boden färben die Blüten rosa-lila. Wenn sie stören – also doch Unkraut- sind sie sehr leicht heraus zu reißen.

Kompasslattich – Lactuca serriola liebt besonders Brachflächen und kann sehr hoch werden

Der botanische Name Lactuca verweist auf die Verwandtschaft mit Kopfsalat (Lactuca sativa). Er führt ebenfalls klebrigen Milchsaft in Stielen und Blättern und ist eine von mehreren der Kopfsalat- Ahnen. Bevorzugte Standorte sind warme, offene Böden auf Baustellen, Bahnanlagen, Straßenrändern. Nehmen Sie einen Kompass mit zum Betrachten der Pflanze, denn dort, wo es keinen Schatten gibt, stehen die Blätter senkrecht und in Nord-Süd-Richtung. Das verringert die Verdunstung. Beim Giftlattich sind die Blätter rundlicher und stehen immer waagrecht. Da der Kompasslattich sehr lange Wurzeln bildet (bis zu 2m), sollten Sie ihn im neu anzulegenden Garten bis zur Blüte erstmal stehen lassen, denn er nimmt Ihnen die Arbeit des Bodenlockerns ab. Anschließend abschneiden und die Wurzeln im Boden lassen. Ganz junge Pflanzen können gegessen werden, weil sie noch nicht so bitter sind. Da er mit grünen Rosetten oft auch im Winter da ist, freut man sich über diese Zukost aus dem eigenen Garten.

Vogelknöterich – Polygonum aviculare – ist wie alle Knöteriche essbar
Die übliche Steinbreite von 8,5cm gibt Ihnen eine Größenvorstellung.

Der Vogelknöterich wird tatsächlich von Vögeln ganz gerne gefressen. Solche Dinge wurden ausprobiert, als man das Futter für Käfigvögel noch nicht kaufen konnte. Er zeigt ebenfalls verdichteten Boden an. Man kann ihn dort sogar bewusst als Trittgrün einsetzen. Ich finde ihn besonders schön, wenn er sich nach kalten Nächten purpurrot färbt. Früher wurde der Vogelknöterich auch als Heilpflanze genutzt.
Siehe dazu: http://heilpflanzenwissen.at/pflanzen/vogelknoeterich/

Wertvolle Lebensräume-Balkon und Terrasse

Stadt Gießen gibt Tipps für die Ansiedlung von Tieren im Garten

Kästen bepflanzt mit Fetter Henne, Minze und Kapuzinerkresse, statt Hortensie besser Phlox

So lautete ein Artikel im Gießener Anzeiger vom 1. Juli 2021. Was ich daran auszusetzen habe: Die Tipps sind sehr, sehr allgemein. Sie helfen jemandem, der nur einen Balkon hat nicht weiter. Selbst Besitzer eines großen Gartens müssten aus der Menge der genannten Pflanzen eine Auswahl treffen, aber nach welchen Kriterien? Daher will ich die Tipps ein wenig sortieren und fange an mit

Fensterbank, Balkone und Terrassen
Fensterbank? Am einfachsten und auch Hitze vertragend ist ein Balkonkasten, der mit einem Gemisch aus Split, Sand, Lehm und Kompost gefüllt und mit Hauswurz bepflanzt wird. Da gibt es so Hunderte tolle Sorten. Schauen Sie sich mal die Sammlung von Herrn Nobbmann in der Gärtnerei Rinn in Heuchelheim an.

Hauswurz schiebt die Blütenstiele

Es gibt nur einen Balkon? Dann ist es wichtig, das/die Pflanzgefäß/e so groß wie möglich zu wählen. Bei vorhandener Fläche sind Mörtelkübel preiswert und ermöglichen sogar einen Strauch oder Kleinbaum. 2-3 Abzugslöcher eine Handbreit über dem Boden anbringen, bis zu der Höhe groben Kies einfüllen, mit Tuch abdecken, Erde drauf. Dann entsteht ein Wasserreservoir, aber bei Dauerregen können Überschüsse auch abfließen. Ich würde mich wohl für die Mährische Eberesche `Edulis´, einen Zierapfel oder eine Zwergfelsenbirne entscheiden. Alle sind bei Vögeln beliebt und auch für Menschen essbar, dekorativ; und die Früchte machen keine Flecken. Zierapfel und Eberesche gibt es auch in Säulenform. Als Vogelversteck kann man eine Hainbuche pflanzen, die regelmäßig beschnitten wird. Die dadurch entstehenden Astquirle sind ein guter Halt für Vogelnester und verwehren u.U. der Hauskatze den Zugriff. An der Hauswand kann ein Nistkasten befestigt werden.

Die Felsenbirne bildet leckere kleine essbare Früchte, die lilafarbigen sind reif


Wenn Sie nur Platz für Balkonkästen haben, dann wählen Sie die größten, die Sie bekommen können, möglichst mit Wasserreservoir und in einer hellen Farbe. Empfehlenswert sind Breite und Höhe von 28/30cm, die Länge passen Sie dem Balkon und dem, was Sie tragen können an. Wählen Sie auf jeden Fall Kunststoff, kein Metall. Fassen Sie ein Auto in der Mittagshitze an, dann wissen sie warum. Man kann die Kästen auch an einer Wand auf ein Kellerregal stellen, wenn man einfache Bretter unterlegt.
Gekaufte Erde, die meistens viel Torf enthält, sollten sie mit Gartenerde, Sand, evtl. Schafwolle oder Kokosfasersubstrat mischen. Denn Torf, einmal ausgetrocknet, lässt sich nur mit kochendem Wasser wieder regenerieren.
Welche Pflanzen kommen in Frage? In den großen Kästen wachsen auch Gartenstauden sehr gut. Aber Sie wollen ja die Vielfalt der Wildstauden.

Jan-März: Krokusse, Primeln, kleine Tulpenarten, Christrose, Schneeheide, Traubenhyazinthen, Lungenkraut

April/Mai: Barbarakresse, Bergsteinkraut, Gundermann (hängend), Kriechender Günsel, Wiesensalbei, Rote Lichtnelke, Akelei, diverse Nelken, Gämswurz, Erdbeeren, Staudenlein

Juni/Juli: Schafgarbe in versch. Farben, Frauenmantel, Zwergrose z.B. Topolino, Schnittlauch, Sterndolde, Wiesen- und Alpenflockenblume, Großblättriger Fingerhut, Wiesenstorchschnabel, Salbei-Gamander, Moschusmalve, Wiesenmargerite/ Pfirsichblättrige und Knäuel-Glockenblume, Mutterkraut, Bartnelken, Kronenlichtnelke,

August /September: Schafgarbe, Bergaster, Goldhaaraster, Steinquendel,

Die Myrtenaster blüht bis in den Dezember hinein.
Die Schwarze Königskerze wird besonders von vielen kleinen Käfern besucht.

Oktober/Dezember: Myrtenaster, Goldhaaraster, Rudbeckien, Efeublättriges Alpenveilchen, Christrose, Ungefüllte Chrysanthemen, z.B. Vreneli, Oury, Julia. Brauner Storchschnabel ist wintergrün

Die Blütezeiten überlappen und variieren je nach Witterungsverlauf. Pflanzen für Feuchtgebiete wurden nicht genannt, ebenso wenig solche, die extrem groß werden. Auch auf Pflanzen, die sich nicht gut mit anderen vertragen, wurde hier soweit bekannt verzichtet. Einjährige kann man einzeln dazwischen säen/pflanzen. Manches Kraut fliegt an und bleibt (Die von Eichhörnchen gepflanzte Walnuss muss leider entfernt werden). Gemüse wie Möhren, Pastinake oder ausgetriebene Zwiebeln werden im April dazwischen gesteckt. Im Laufe des Jahres müssen die Pflanzen zurück geschnitten werden – aus Platzgründen. Die Spätsommer- und Herbstblüher können ihre Samenstände behalten. Im Dezember steckt man ein paar Koniferen dazwischen, und der Balkon ist schön für den Winter.

Fotos Eveline Renell; Fotos von Christrose, Brauner Storcheschnabel und Myrtenaster aus dem Online-Shop der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler:.gaertnerei-strickler.de

Mauerblümchen

in Biebertal-Königsberg

Königsberg liegt zwischen 300 und 400m über NN. Entsprechend liegt dort im Winter Schnee, und die Straßen sind glatt, bevor es die übrigen Gemeinden trifft. Die Schlossstraße windet sich in Kurven um den Berg herum, der an vielen Stellen von einer hohen Mauer gestützt ist. Wo es für die Autofahrerin aufpassen heißt, ist es für die Pflanzenfreundin pures Glück. Und als Besonderheit bietet die Autowerkstatt des Vertrauens neben dem Hof einen mit Blumen bepflanzten Treppenaufgang zum Privathaus. Ein sonniger, summender und duftender Warteplatz während des Reifenwechsels. Liebe Autowerkstätten: Nachmachen dringend erwünscht!

Bepflanzung mit Felsen-Steinkraut (Alyssum saxatile, gelb)
Blaukissen (Aubrietia dealbata, lila) und Schleifenblume (Iberis saxatilis, weiß)
Goldlack liebt Mauern
bitte sonnig, zwischen Steine und am Hang säen

Der hier blühende Goldlack (Erysimum cheiri, früher Cheiranthus) ist eine zwei- bis mehrjährige Pflanze aus Felsfluren des Mittelmeergebietes. Wegen des veilchenartigen Duftes wurde sie früh in Gärten gepflanzt,. die ursprüngliche Farbe ist goldgelb. Deshalb trug sie auch den deutschen Namen Gelbveilchen.. Auf Englisch heißt sie Wallflower. Der Goldlack sät sich wie fast alle Kreuzblütler üppig aus. Wenn Sie im Handel einen lila blühenden „Goldlack“ kaufen, so handelt es sich um eine lizensierte Pflanze, die selten duftet und sehr selten Samen bildet.
Auf dem Mauervorsprung, auf dem auch ein üppiger Horst Bartiris zu Hause ist, fühlen sich Eidechsen sehr wohl und sicherlich so einiges an Wärme liebenden Insekten, die unserem Zwergreptil fast zwischen die Zähne krabbeln. Ein lebendiger, kleiner Lebensraum.

Bartiris vor der Blüte, gelb hinten Schöllkraut; Der Ahorn sollte gerodet werden!

Goldlack gibt es überall als Samen zu kaufen. Am besten säen Sie ihn an Ort und Stelle, denn er bildet lange Wurzeln. Das Umpflanzen ist möglich, es gibt dann aber meist kleinere Pflanzen. Jetzt im Mai bis spätestens Anfang Juli ist der beste Zeitpunkt zur Aussaat. Wie nahezu alle Kreuzblütler keimt er schnell.
Im Gemüsegarten nicht neben Kohl säen!

Das blaue und das gelbe Meer in unserem Dorf

Stängelloser Enzian in einem Vorgarten in Fellingshausen
Und in einem anderen Garten im Nachbarort Bieber
Stängelloser Enzian – Gentiana acaulis

Anfang Mai habe ich in unserem Dorf diese schönen Enziane entdeckt. Die Pflanzung ist etwa 4m² groß und 10-12 Jahre alt. Die Inhaberin wies mich auf einen Garten im Nachbardorf hin, und der hat mich schier umgehauen. Wie er in ein paar Wochen aussieht, muss ich dann gucken, aber jetzt ist diese blaue Fülle unglaublich.

Die erste Pflanze wurde vor über 20 Jahren bei Obi erworben, gedieh gut, und alle paar Jahre wurden Tuffs umgesetzt. Das Verpflanzen erfolgt im März oder Oktober/November mit einem großzügigen Stück Boden dran, auch unten. Es gibt keine Drainage, aber ihr seht ja, dass das meiste in Hanglage wächst. Am neuen Standort steht die Pflanze anfangs etwas über vorherigem Niveau. Gedüngt wird nicht, aus optischen Gründen sind alle Beete mit Rindenmulch bedeckt, was mich sehr verwunderte. Der gewachsene Boden ist lehmig – mineralisch mit Kalk. Die an einigen Stellen sichtbare Buchsbaumhecke ist gesund und wird mit Algenkalk gestäubt. Aus dem ersten Garten bekomme ich demnächst eine Pflanze, worauf ich mich sehr freue.

In derselben Straße gibt es einige Gärten und eine kleine Wiese, in denen Primula veris mit unzähligen Blüten erfreut – ein gelbes Meer.

Alles Gelbe sind Primeln (Fotos 14.Mai)

In den 70er und 80er Jahren fuhren wir regelmäßig von Offenbach aus in den südlichen Odenwald. Ich freute mich sehr über die Primeln an den Böschungen, hatte aber das Gefühl, dass es von Jahr zu Jahr weniger wurden. Als ich vor 10 Jahren nach Mittelhessen zog, fand ich ich bei Herborn eine Wiese, in der diese Pflanze reichlich wuchs. Dass wir in Biebertal noch viel mehr davon haben, merkte ich erst ab 2019 bei unseren Fototouren für den Biebertaler Bilderbogen https://www.biebertal.online/ Der kalkhaltige Boden in der Gemeinde und im Umland lässt etliche Arten gedeihen, die schon unter Schutz stehen. Ich wünsche mir, dass noch mehr Leute auf ihren Rasenflächen zumindest einen Teil zu einer Blumenwiese wachsen lassen! Die Echte Schlüsselblume freut sich über trockene Verhältnisse und ist damit gut an Klimaveränderungen angepasst.

Komm, lieber Mai, und mache…

Komm, lieber Mai, und mache
die Bäume wieder grün
und lass mir an dem Bache
die kleinen Veilchen blühn!
Wie möcht‘ ich doch so gerne
ein Veilchen wieder sehn,
ach, lieber Mai, wie gerne
einmal spazieren gehn!

Text Christoph, Adolph Overbeck 1776
Musik Wolfgang Amadeus Mozart 1791
.

Heute sind die Bäume Anfang Mai schon grün; und die Veilchen – vermutlich waren die Hundsveilchen gemeint – blühen im April, die ersten Duftveilchen sogar schon Anfang März.

Das war selbst in meinem Leben nicht immer so. Ich kann mich erinnern, dass die Waldbäume (Buchen und Eichen) um 1965 in der Nähe von Hanau Anfang Mai noch kein Laub trugen. Meine 1984 geborene Tochter hat am 9. April Geburtstag, ihre Freundin am 25. Am Geburtstag meiner Tochter waren die meisten Bäume noch kahl, am 25. trugen die meisten Laub. Seit der Jahrtausendwende gab es mehrere Jahre, an denen wir schon richtig „im Grünen“ feiern konnten (im relativ warmen Offenbach)
Als Overbeck lebte , herrschte in Mitteleuropa die so genannte Kleine Eiszeit. Man datiert sie etwa von 1300 bis 1860, danach wurde es langsam wärmer. Ihr Beginn ist verbunden mit der Pest und einer großen Hungersnot. Beide zusammen sorgten dafür, dass 1/3 der europäischen Bevölkerung starb.

Die Veränderung des Klimas bringt in der Regel starke soziale Veränderungen mit sich. An Veränderungen der Pflanzenentwicklung kann man die Veränderung des Klimas erkennen. Das ist das Thema der Phänologie.

Leberblümchen: Das blaue Wunder

ist etwas für geduldige Gärtner

Mit ihr fing die Vermehrung an, rundliche Blütenblätter und blühfreudig

Meine ersten Leberblümchen pflanzte ich im Jahre 2000 im eigenen Offenbacher Hausgarten. Kein besonders geeigneter Boden; aber aus einem Mauerdurchbruch waren Steine vorhanden, die ich zu einem kleinen Gebirge gestaltete, und die den Alpenveilchen und Leberblümchen einigermaßen zusagten. Hier im Biebertaler Garten ist der Boden von sich aus steinig und kalkhaltig. Im Dorf gibt es einen Vorgarten, in dem sie sich rasig vermehrt haben. Ich befürchte immer, dass jemand sie mal aus Unkenntnis rauswirft.
In unserem Garten war ein einziges Leberblümchen vorhanden, meine wenigen Offenbacher zogen um und erhöhten die genetische Vielfalt.

Hepatica nobilis, Sämling und gesunde, typische Blätter
Hepatica transsylvanica, ausbreitend, typische Blätter

Außerdem schenkte mir ein netter Mensch von den Frankfurter Staudenfreunden eine große Pflanze von Hepatica transsylvanica. Sie zeigt normalerweise Ende Dezember die erste Blüte, übrigens genauso wie Cyclamen coum. Letztere blüht jetzt Ende März nur noch schwach, aber das transsylvanische Leberblümchen prangt noch in voller Schönheit.

Hepatica nobilis var. japonica, 5 Jahre nach der Pflanzung

Hepatica nobilis, das sind Edelsteine, Hepatica transsylvanica ist alltagstauglicher Schmuck. Ein weiterer Edelstein, Hepatica nobilis var. japonica, hat nur in zwei roten Pflanzen überlebt, Die besonders teuren gefüllten, von denen ich mir einige Jahre lang auf der „Grüne Börse“ im Frankfurter Palmengarten jeweils eines gönnte, sind recht schnell wieder verschwunden. Ist es bei uns zu trocken für die Inselbewohner?

Deutlich erkennbare Buchenblätter
Durchsetzungsfähig gegenüber Vinca minor

Morgens ist es noch zu kalt zum Öffnen
Buchenbeet (der Stamm gehört zu einer Koreatanne); Helleborus-Sämlinge müssen gejätet werden
Sämling mit 6-7 rundlichen Blütenblättern,
Abstand 80cm zum Sämling rechts
Sämling mit überwiegend 6 einzeln stehenden,
zugespitzten Blütenblättern

In Erinnerung an das erste Wildvorkommen der Leberblümchen, das ich Anfang der 70er Jahre im Buchenwald auf der Plesse in Wanfried (Nordhessen) sah, ließ ich am sonnigen Hang mit Streuschatten einen Rotbuchensämling stehen. Die Buche schneide ich regelmäßig zu einem Kugelbäumchen zurück. Offenbar mögen die Leberblümchen die Buchenwurzeln. Sie versamen sich inzwischen zwar an einigen Stellen im Garten, hier aber sind sie besonders üppig.


Ein zweiter Standort liegt unter einer Haselnusshecke. Nur einmal habe ich gewildert. In einer relativ feuchten Mulde in einem französischen Wald fielen Anfang März einige Pflanzen durch marmorierte Blätter auf. Auch davon gibt es die ersten Sämlinge. Allerdings hat sich ein kleines Steinbrechgewächs dort sehr verbreitet und scheint die Hepatica zu verdrängen. Also muss ich es gewaltig roden.
Hepatica nobilis ist auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet, wenn man es lässt.

Verbreitungsgebiet von Leberblümchen-Arten Europa und Westasien
Einen wunderschönen Frühling mit diesen fröhlichen Blumengesichtchen

Fotos: Eveline Renell und Winfried Senger

Märzenbecher bei Homberg/Ohm

Kleine Gruppe mit üblichen grünen Spitzen
es gibt auch gelbe Spitzen

Eine Frühlingsblume aus der Nachbarschaft Ist der Märzenbecher (Leucojum vernum, Amaryllidaceae). Er ist nämlich in Mitteleuropa zu Hause und wird nachweislich seit 1420 als Gartenblume verwendet. Warum ist er dennoch so selten in den Gärten?  Er braucht frischen bis feuchten nährstoffreichen Boden, Halbschatten und verträgt Kalk. In Hessen gibt es einige großflächige Vorkommen. Das größte liegt in der Nähe von Homberg/Ohm in einem Auwald.

Man ahnt das sehr feuchte Gelände

Nachdem wir uns an den Massen erfreut hatten, gingen wir gezielt auf die Suche nach Abweichungen, die es bei solchem Blütenreichtum immer gibt. Dazwischen Pflanzenfotos von anderen dort wachsenden Arten.

In einigen Biebertaler Dörfern fließen Bäche an Gartengrundstücken entlang. Hier würde die Pflanze sich sehr wohl fühlen.  Einen Klumpen Zwiebeln nach der Blüte teilen und an den endgültigen Standort setzen. Wie viele andere Frühblüher auch möchte der Märzenbecher in Ruhe gelassen werden, d.h. hacken, graben, zu früher Rasenschnitt und Gifte findet er überhaupt nicht gut. Wenn er sich wohlfühlt, wird er sich bald versamen, wenn nicht, dann ist er schnell wieder weg.