Schneeglöckchen – Kleine Kostbarkeiten

Ein Garten ohne Schneeglöckchen? Für mich undenkbar. Wenn ich Mitte Januar meine täglichen Gartenrunden wiederaufnehme, suche ich die kleinen Spitzen, die die spätere weiße Pracht ankündigen. Die Schneeglöckchen stammen aus Mitteleuropa und werden wenigstens in Gärten vorm Aussterben bewahrt. Es existieren noch einige Naturstandorte. Große Flächen gibt es im Nationalpark Eifel, seit einigen Jahren die Heimat meiner Tochter. Anfang April beginnen dort bei Monschau die Wildnarzissen zu blühen. Es handelt sich um eins der wenigen deutschen, noch existierenden Vorkommen. In der Rhön, aber auch in unserer Nähe bei Homberg/Ohm gibt es eine größere Fläche mit Märzenbechern. Alle drei Arten stehen unter strengem Schutz. Als Kind kaufte ich meiner Mutter in jedem Februar für 50 Pfennige einen Strauß Schneeglöckchen vom Taschengeld. Heute zahlt man für 1 Zwiebel im Topf im Blumenladen mindestens 4,50€.  Und obwohl Schneeglöckchenzwiebeln manchmal für die Herbstpflanzung angeboten werden, empfehle ich Ihnen ein anderes Vorgehen. Erbitten Sie sich einen kleinen Tuff dieses hübschen Zwiebelgewächses – das übrigens eng mit der Amaryllis bzw. dem Ritterstern verwandt ist – direkt nach der Blüte von netten Nachbarn oder Freunden. Suchen Sie einen halbschattigen, humusreichen Platz im Garten. Gut geeignet ist auch eine Stelle unter Apfelbäumen. Dort profitieren die Zwiebeln vom Dünger. Dann zerteilen Sie den Tuff und setzen je 1-3 Zwiebelchen in 10cm Abstand in die Erde. Schon 2 Jahre später erfreut hier eine kleine Schneeglöckchenwiese nicht nur unser Auge, sondern stillt auch den Hunger früher Bienen und Schmetterlinge.  Wenn man jedes Jahr einige Gruppen teilt, ist der Schneeglöckchenfreude kein Einhalt mehr zu bieten. Falls die Schneeglöckchen später an ganz anderen Stellen auftauchen, waren Ameisen am Werk, die die Samen in ihren Bau geschleppt haben, weil er nämlich ein süßes Anhängsel enthält, ein Elaisom.

Übrigens: Wussten Sie, was Galanthophile sind?  Leute, die so auf Schneeglöckchen versessen sind, dass sie zur Blütezeit extra nach England fahren und mit vielen Töpfchen und verschiedenen Sorten im Gepäck wieder heimkommen. Die begehrtesten Sorten werden versteigert. 2012 erzielte eine Sorte dabei den stolzen Preis von 725 britischen Pfund. Fürwahr: kleine Kostbarkeiten.

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