Wildkräuter – Was man in Fugen entdeckt

Feinstrahl – Erigeron (neuerdings Conyza) canadense ist mehr als Unkraut

Ein Gastbeitrag von Tim Mattern aus Biebertal am 24. 7. 21 im Biebertaler Bilderbogen macht auf die Hashtags #krautschau und #mehralsunkraut aufmerksam– sie führen zu Artikeln und Fotos im Internet; auch durch die sozialen Netzwerke geistern sie.
Das erste Foto zeigt das Kanadische Berufkraut. Es ist eine einjährige Verwandte vieler anderer Feinstrahlastern, auch Berufkräuter genannt. Obwohl in Europa nur 9 der etwa 400 Arten der Nordhalbkugel vorkommen. wurde die Pflanze in den Rang erhoben, gegen Verhexung, d. h. gegen das „Berufen“ zu schützen. Im 16. Jahrhundert wurden sogar Säuglinge gegen den Bösen Blick in Berufkraut-Tee gebadet. Diese und andere geglaubte Wirkungen waren jedoch „Fake News“. Der Botanische Garten Gütersloh hat eine große Sammlung von Feinstrahlastern; und auch ein Blick in die drei Gärtnereien Heuchelheims lohnt sich. Die Cultivare sind sehr schöne Gartenstauden, die mit 50-60cm Höhe und einer Blütezeit von Juni bis August den im Mai mit Aster alpinus beginnenden Asternreigen fortsetzen. Nach ihnen folgen die bekanntesten, die verschiedenen im Herbst blühenden Asternarten und -Sorten.
Erigeron canadense kann auch gut im Blumenbeet stehen. Bei nährstoffreichem Boden färben die Blüten rosa-lila. Wenn sie stören – also doch Unkraut- sind sie sehr leicht heraus zu reißen.

Kompasslattich – Lactuca serriola liebt besonders Brachflächen und kann sehr hoch werden

Der botanische Name Lactuca verweist auf die Verwandtschaft mit Kopfsalat (Lactuca sativa). Er führt ebenfalls klebrigen Milchsaft in Stielen und Blättern und ist eine von mehreren der Kopfsalat- Ahnen. Bevorzugte Standorte sind warme, offene Böden auf Baustellen, Bahnanlagen, Straßenrändern. Nehmen Sie einen Kompass mit zum Betrachten der Pflanze, denn dort, wo es keinen Schatten gibt, stehen die Blätter senkrecht und in Nord-Süd-Richtung. Das verringert die Verdunstung. Beim Giftlattich sind die Blätter rundlicher und stehen immer waagrecht. Da der Kompasslattich sehr lange Wurzeln bildet (bis zu 2m), sollten Sie ihn im neu anzulegenden Garten bis zur Blüte erstmal stehen lassen, denn er nimmt Ihnen die Arbeit des Bodenlockerns ab. Anschließend abschneiden und die Wurzeln im Boden lassen. Ganz junge Pflanzen können gegessen werden, weil sie noch nicht so bitter sind. Da er mit grünen Rosetten oft auch im Winter da ist, freut man sich über diese Zukost aus dem eigenen Garten.

Vogelknöterich – Polygonum aviculare – ist wie alle Knöteriche essbar
Die übliche Steinbreite von 8,5cm gibt Ihnen eine Größenvorstellung.

Der Vogelknöterich wird tatsächlich von Vögeln ganz gerne gefressen. Solche Dinge wurden ausprobiert, als man das Futter für Käfigvögel noch nicht kaufen konnte. Er zeigt ebenfalls verdichteten Boden an. Man kann ihn dort sogar bewusst als Trittgrün einsetzen. Ich finde ihn besonders schön, wenn er sich nach kalten Nächten purpurrot färbt. Früher wurde der Vogelknöterich auch als Heilpflanze genutzt.
Siehe dazu: http://heilpflanzenwissen.at/pflanzen/vogelknoeterich/