Wertvolle Lebensräume, Teil 3: Die Blumenwiesen

Ein typischer Blühstreifen, nicht am Feldrand, sondern an einer Straße in Wetzlar
Zu sehen sind Statizen, Hundskamille, Roter Lein, Bechermalven, Ringelblumen, Rutenhirse, Zinnien u,a.

Das obige Foto zeigt, was derzeit meistens unter „Blumenwiese“ verstanden wird. Tatsächlich ist es ein Streifen mit einjährigen Sommerblumen, die auf eine nackte Beetfläche gesät wurden. Wenn es sich um ungefüllte Blüten handelt, wie es für Insekten sinnvoll ist, hält die Blütenpracht nur wenige Monate. Bei vielen von ihnen handelt es sich um so genannte Ackerbegleitkräuter. Diese keimen im Herbst mit dem Wintergetreide, müssen aber vor der Getreidereife blühen und und Samen bilden.

Hier wurden Klatschmohn und Kornblumen auf eine Ackerfläche gesät. In wenigen Wochen ist alle Schönheit abgestorben.


Für eine Wiese sehr wesentlich sind dauerhafte Gräser und Kräuter. Die Arten hängen davon ab, wie feucht oder trocken, warm oder kalt und sonnig oder schattig die Wiese liegt. Auf den meisten gedüngten Wiesen kommen vor Gänseblümchen, Löwenzahn, Scharfer Hahnenfuß, oft Wiesenkerbel, und Schafgarbe. Während die ersten vier im April-Juni blühen, kann die Schafgarbe bis in den November ihre weißen Blütenköpfe zeigen. Je magerer der Boden ist, desto mehr Lücken entstehen im Gras und umso mehr bunte Blütenpflanzen können sich in den Zwischenräumen ansiedeln. Eine Reihe von ihnen bildet mit den Gräsern eine Wurzelsymbiose (Mykorrhiza), d.h. bei ihnen geht es nicht ohne Gras.

Eine dauerhafte Blumenwiese kann man auf verschiedene Weisen anlegen:
1. Vorhandener Rasen: Von einer Fläche, um die man gut mit dem Rasenmäher herumfahren kann, werden Grassoden abgehoben (umgedreht auf einander gestapelt gibt das nach einigen Monaten gute Blumenerde). Hier hinein werden Starterstauden*1) gepflanzt. Bei Aussaat Fläche 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, die bis dahin aufgelaufenen Unkräuter ganz flach abschaben*2), erst dann säen

2. Beet als Blumenwiese anlegen: Nicht umgraben! Gute Erde abnehmen (für Gemüse, Prachtstauden), etwas Sand oder Lavagranulat leicht einharken. 2-3 Wochen unbearbeitet liegen lassen, aufgelaufene Unkräuter abschaben*2). Jetzt erst säen oder pflanzen.

Sollte die Fläche viele Wurzelunkräuter (Quecke, Ackerwinde, Giersch) enthalten, kann man einen anderen Platz wählen oder sie integrieren. Quecke fühlt sich allerdings auf Rohböden wohl. Hier ist der andere Platz vorzuziehen.

Geeignete Saatgutmischungen kauft man besser im Fachhandel. Ich kann hier die Firma Gewiehs empfehlen, bei der ich bereits seit 1979 Blumenzwiebeln kaufe. Gewiehs Blumenzwiebeln für Insekten. Angeboten werden Mischungen für verschiedene Standorte sowie Saatgut von ein- und Zweijährigen und Stauden. Online bestellen oder Katalog anfordern!
Beispiele für Samenmischungen von mehrjährigen Blumenwiesen:

Unterschieden wird nach dem Anteil an ein- und zweijährigen Pflanzen sowie Stauden, außerdem nach der gewünschten Höhe . Auf einem kleinen Rasenstück sehen Pflanzen bis maximal 60cm Höhe besser aus. Sie vertragen auch leichte Schattierung. Höhere Pflanzen, auch mit Sonnenblumen, besser bei großen Flächen in voller Sonne, damit sie nicht umkippen. Die einjährigen Pflanzen geben im ersten Jahr schon ein buntes Bild, verschwinden aber, wenn die Zweijährigen hinzu kommen (siehe Fotos unten, beide aus Krumbach) und die sich langsamer entwickelnden Stauden größer sind.

Gewöhnlicher Natternkopf
Schwarze Königskerze

Statt eine Samenmischung zu kaufen, kann man jetzt noch reife = trockene Blütenstände verschiedener Pflanzen vom Spaziergang mitbringen (am Sammelort kopfüber in eine Papiertüte stecken). Der Samen soll sehr dünn ausgesät werden, dazu mischt man ihn am besten mit reichlich Sand. Anschließend wird die Fläche wie beim Rasensäen gewalzt (oder mit Brettern and den Schuhen platt getreten). Aussat vor Regen, gießen nicht nötig.

Es gibt auch Blumenwiesen für halbschattige Plätze und solche für sehr verdichtete, schotterige Böden, z.B. auf -ehemaligen- Parkplatzen und Zufahrten. Davon später.

zu *1) Starterstauden: Dazu gehören Margeriten, Kissenprimeln, Schlüsselblumen, Moschusmalven, Schnittlauch, Blutstorchschnabel, Labkräuter, Wiesensalbei, Schafgarbe, Wiesenflockenblume, Glockenblumen, Aber auch Blumenzwiebeln und -knollen gehören zu den Stauden. Es fängt an mit Winterling, Schneeglöckchen über Krokusse, Schneeglanz, Anemonen, Narzissen, Wildtulpen, Traubenhyazinthen und natürlich alle Arten von Allium = Zierlauche. Die Starterstauden können sich gegenüber dem Gras erstmal besser durchsetzen als Samen, sie werden später aber ihre Samen auch verstreuen.

*2) abschaben statt hacken. Unkrautsamensind sehr überlebensfähig. Sie ruhen bis zu 30 Jahren und mehr im Boden. Kommen sie an die Oberfläche, so löst das Licht die Keimung aus. Wenn man gekeimte Unkräuter tief abhackt, befördert man erneute Samen an die Oberfläche.

Alle Fotos Eveline Renell

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