Wertvolle Lebensräume-Balkon und Terrasse

Stadt Gießen gibt Tipps für die Ansiedlung von Tieren im Garten

Kästen bepflanzt mit Fetter Henne, Minze und Kapuzinerkresse, statt Hortensie besser Phlox

So lautete ein Artikel im Gießener Anzeiger vom 1. Juli 2021. Was ich daran auszusetzen habe: Die Tipps sind sehr, sehr allgemein. Sie helfen jemandem, der nur einen Balkon hat nicht weiter. Selbst Besitzer eines großen Gartens müssten aus der Menge der genannten Pflanzen eine Auswahl treffen, aber nach welchen Kriterien? Daher will ich die Tipps ein wenig sortieren und fange an mit

Fensterbank, Balkone und Terrassen
Fensterbank? Am einfachsten und auch Hitze vertragend ist ein Balkonkasten, der mit einem Gemisch aus Split, Sand, Lehm und Kompost gefüllt und mit Hauswurz bepflanzt wird. Da gibt es so Hunderte tolle Sorten. Schauen Sie sich mal die Sammlung von Herrn Nobbmann in der Gärtnerei Rinn in Heuchelheim an.

Hauswurz schiebt die Blütenstiele

Es gibt nur einen Balkon? Dann ist es wichtig, das/die Pflanzgefäß/e so groß wie möglich zu wählen. Bei vorhandener Fläche sind Mörtelkübel preiswert und ermöglichen sogar einen Strauch oder Kleinbaum. 2-3 Abzugslöcher eine Handbreit über dem Boden anbringen, bis zu der Höhe groben Kies einfüllen, mit Tuch abdecken, Erde drauf. Dann entsteht ein Wasserreservoir, aber bei Dauerregen können Überschüsse auch abfließen. Ich würde mich wohl für die Mährische Eberesche `Edulis´, einen Zierapfel oder eine Zwergfelsenbirne entscheiden. Alle sind bei Vögeln beliebt und auch für Menschen essbar, dekorativ; und die Früchte machen keine Flecken. Zierapfel und Eberesche gibt es auch in Säulenform. Als Vogelversteck kann man eine Hainbuche pflanzen, die regelmäßig beschnitten wird. Die dadurch entstehenden Astquirle sind ein guter Halt für Vogelnester und verwehren u.U. der Hauskatze den Zugriff. An der Hauswand kann ein Nistkasten befestigt werden.

Die Felsenbirne bildet leckere kleine essbare Früchte, die lilafarbigen sind reif


Wenn Sie nur Platz für Balkonkästen haben, dann wählen Sie die größten, die Sie bekommen können, möglichst mit Wasserreservoir und in einer hellen Farbe. Empfehlenswert sind Breite und Höhe von 28/30cm, die Länge passen Sie dem Balkon und dem, was Sie tragen können an. Wählen Sie auf jeden Fall Kunststoff, kein Metall. Fassen Sie ein Auto in der Mittagshitze an, dann wissen sie warum. Man kann die Kästen auch an einer Wand auf ein Kellerregal stellen, wenn man einfache Bretter unterlegt.
Gekaufte Erde, die meistens viel Torf enthält, sollten sie mit Gartenerde, Sand, evtl. Schafwolle oder Kokosfasersubstrat mischen. Denn Torf, einmal ausgetrocknet, lässt sich nur mit kochendem Wasser wieder regenerieren.
Welche Pflanzen kommen in Frage? In den großen Kästen wachsen auch Gartenstauden sehr gut. Aber Sie wollen ja die Vielfalt der Wildstauden.

Jan-März: Krokusse, Primeln, kleine Tulpenarten, Christrose, Schneeheide, Traubenhyazinthen, Lungenkraut

April/Mai: Barbarakresse, Bergsteinkraut, Gundermann (hängend), Kriechender Günsel, Wiesensalbei, Rote Lichtnelke, Akelei, diverse Nelken, Gämswurz, Erdbeeren, Staudenlein

Juni/Juli: Schafgarbe in versch. Farben, Frauenmantel, Zwergrose z.B. Topolino, Schnittlauch, Sterndolde, Wiesen- und Alpenflockenblume, Großblättriger Fingerhut, Wiesenstorchschnabel, Salbei-Gamander, Moschusmalve, Wiesenmargerite/ Pfirsichblättrige und Knäuel-Glockenblume, Mutterkraut, Bartnelken, Kronenlichtnelke,

August /September: Schafgarbe, Bergaster, Goldhaaraster, Steinquendel,

Die Myrtenaster blüht bis in den Dezember hinein.
Die Schwarze Königskerze wird besonders von vielen kleinen Käfern besucht.

Oktober/Dezember: Myrtenaster, Goldhaaraster, Rudbeckien, Efeublättriges Alpenveilchen, Christrose, Ungefüllte Chrysanthemen, z.B. Vreneli, Oury, Julia. Brauner Storchschnabel ist wintergrün

Die Blütezeiten überlappen und variieren je nach Witterungsverlauf. Pflanzen für Feuchtgebiete wurden nicht genannt, ebenso wenig solche, die extrem groß werden. Auch auf Pflanzen, die sich nicht gut mit anderen vertragen, wurde hier soweit bekannt verzichtet. Einjährige kann man einzeln dazwischen säen/pflanzen. Manches Kraut fliegt an und bleibt (Die von Eichhörnchen gepflanzte Walnuss muss leider entfernt werden). Gemüse wie Möhren, Pastinake oder ausgetriebene Zwiebeln werden im April dazwischen gesteckt. Im Laufe des Jahres müssen die Pflanzen zurück geschnitten werden – aus Platzgründen. Die Spätsommer- und Herbstblüher können ihre Samenstände behalten. Im Dezember steckt man ein paar Koniferen dazwischen, und der Balkon ist schön für den Winter.

Fotos Eveline Renell; Fotos von Christrose, Brauner Storcheschnabel und Myrtenaster aus dem Online-Shop der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler:.gaertnerei-strickler.de

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